1. Einleitung

 

Die Werke von Goethe, Schiller, Shakespeare gibt es in Buchhandlungen in guten Nachdrucken und auch in Billigausgaben zu kaufen. Die Kompositionen von Bach, Händel, Schumann und Schubert sind in jedem Musikverlag als Noten zu erwerben. Die klassischen Werke der Paläobotanik von Schlotheim (1804, 1820, 1822), Sternberg (1820-l838), Brongniart (1822, 1828-1838, 1881), Gutbier (1835/36, 1843, 1849) und Germar (1844-l853) aber gehören zu den bibliophilen Raritäten. Wie gern hätte jeder Kenner und Freund fossiler Pflanzen gerade diese lesens- aber vor allem ansehenswerten klassischen Werke in seinem Bücherregal zu stehen. Ganz von den Bedürfnissen vieler ausländischer Fachkollegen in der ganzen Welt abgesehen, egal, ob nun in China, Amerika oder Rußland, um diese ebenfalls wissenschaftlich zu nutzen. Es ist deshalb unverständlich, warum in unserem PC-Zeitalter Museen oder auch andere Institutionen es bisher noch nicht fertig brachten, diese Werke als Kopien mittels Scanner und Kopierer herzustellen und diese der breiten Öffentlichkeit zur Nutzung anzubieten.  In (Ost-)Berlin konnte man vor 20 Jahren im Museum für Naturkunde erste Ansätze von diesen Überlegungen sehen. Damals konnte man einen Nachdruck der klassischen Arbeit von Schlotheim (1804) erwerben. Dieses geschah auf Veranlassung des damaligen Vorsitzenden der GGW als Beilage zu einer Exkursions- und Vortagstagung.

Für das von A. von Gutbier (1835/36) veröffentlichte, umfangreiche Werk gab es 1997 einen ähnlichen Ansatz (R.Daber, im Halleschen Jahrbuch für Geowissenschaften Band 19. S. 49-58). Darin wurde ein Index der Abbildungen gegeben und die Gutbier-Zeichnungen von drei fossilen Pflanzenarten aus den insgesamt 11 Tafeln neu angeordnet, und so veröffentlicht. Aber nach wie vor fehlte eine Nachweisliste der Gutbierschen Originale. Jürgen Meyer aus Zwickau hatte sich nun die Aufgabe gestellt, die heute noch existierenden Originale aufzuspüren und deren Nachweis wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Vielleicht tragen die nachfolgenden Nachweislisten auch dazu bei, derartige Originale etwas mehr unter kustodialen Schutz zu stellen oder zukünftig diese paläobotanischen Museumssammlungen sogar zum Weltkulturerbe der Menschheit aufzuwerten. Wir meinen, wenn Altertümer, und sogar ganze Städte oder gar Landschaften unter UNESCO-Schutz stehen und mit finanziellen Mitteln unterstützt werden, müßte dieses auch mit den Originalen von Schlotheim, Sternberg, Brongniart und Gutbier geschehen.

 

 

2. Neue Erkenntnisse zu Gutbiers Veröffentlichungen  (1835/1836 und 1843)

 

Gutbier-Sammlungsstücke zu seinem Standardwerk in den Sammlungen zu finden und wieder zu erkennen erwies sich als schwierig, denn viele waren überhaupt nicht als solche im Beilagezettel bzw. Etikett gekennzeichnet, und manche waren so unscheinbar, dass heutige Sammler diese erst gar nicht anfassen oder gar in ihre Sammlungen aufnehmen würden. Es kam mir (J.Meyer) so vor, als hätte Gutbier nach einem kurzzeitigen Besuch der damaligen Bergwerke bzw. Halden nur relativ wenig Material für sein Buch und die Abbildungen zur Verfügung gehabt. Ob er als Offizier der damaligen sächsischen Armee diese fossilen Pflanzenreste gar selbst suchte und fand ist sowieso fraglich. Trotzdem ist der wissenschaftliche Wert seiner Arbeiten auch in der heutigen Zeit unabstreitbar.

 

Es stellte sich nun die Frage, in welchen Sammlungen und Instituten die Sammlung A.v.Gutbiers liegen würde. Im Zwickauer Museum so wie im Naturkunde-Museum in Chemnitz konnte leider nichts gefunden werden. Dagegen wurde ich (J.Meyer) im Staatlichen Museum für Mineralogie und Geologie in Dresden sowie in der Sammlung der Sektion für Geowissenschaften der Bergakademie in Freiberg fündig.

Dabei half mir eine alte Aufzeichnung, gefunden in den Unterlagen der Bergakademie Freiberg, worin die Sammlung Gutbiers aufgelistet war. Diese Liste ist gleichzusetzen mit der Zusammenfassung der Fossilien in der Gäa von Sachsen (1843, S.63-92). Dabei hatte jede Art eine jeweilige Nr. von Gutbier bekommen. Diese Nummern werden in den nachfolgenden neuen Listen mit angegeben. Gleichzeitig konnte die Form und Farbe der Original-Nr. an diesen Fossilien festgestellt werden (grau, rund), so dass eine Zuordnung zu Gutbiers Sammlung auch ohne Etikett möglich war. Doch was hilft es, wenn Stücke ohne Nummer bzw. Etikett in den Sammlungen liegen, da half nur Ausdauer, Geduld und natürlich die einfühlende Phantasie, denn im Weglassen bzw. Verschönern der Zeichnungen, in Ergänzung zum Original, war Gutbier, der ja alles selbst zeichnete, ein wahrer Meister.

So können nun 56 Objekte als zugehörig zu den gedruckten 11 Tafeln aufgelistet werden. Davon waren bisher immerhin 29 als solche gekennzeichnet gewesen, wie allgemein üblich, mit einem roten Punkt; die restlichen 27 wurden somit wieder entdeckt und werden nun wieder der wissenschaftlichen Diskussion zugänglich sein.

In den neu zusammengestellten Gruppierungen der Zeichnungen und der Gutbier-Originale wird versucht, alle von Gutbier (1835/36) neu bekannt gegebenen fossilen Arten in einer besseren Übersichtlichkeit zusammenzustellen als dies in den 11 Originaltafeln von August von Gutbier geschehen war.

 

 

3. Nachweisliste der Originale

 

 

Fucoides filiciformis mihi

Orig. Nr. 57

 

 

 

 

 

Taf. 1 Fig. 3, 3a

TU Bergakademie Freiberg (Nr. 176/57)

 

 

Taf. 1 Fig. 6

TU Bergakademie Freiberg (Nr. 176/2)

 

 

Taf. 1 Fig. 7, 7a

verschollen

 

 

Taf. 1 Fig. 8, 8a

verschollen

 

 

Taf. 1 Fig. 13, 13a

MMG. Dresden (ohne Nr.) Schrank 14 Fach 8

 

 

Gutbier (1835) S. 11

 

 

nach Gäa von Sachsen (1843) Rhodea gutbieriana

 

 

 

 

 

Fucoides radians m.

Orig. Nr. 58

 

 

Taf. 1 Fig. 5, 5a

TU Bergakademie Freiberg (Nr. 176 /58)

 

 

Gutbier (1835) S. 12 sowie S. 74

 

 

nach Gäa von Sachsen (1843) S. 73 Rhodea radians

 

 

 

 

 

Fucoides filiformis m.

Orig. Nr. 59

 

 

Taf. 1 Fig. 9, 9a

TU Bergakademie Freiberg (Nr. 176 /3)

 

 

Gutbier (1835) S. 12

 

 

nach Gäa von Sachsen (1843) S. 73 Rhodea filiciformis

 

 

 

 

 

Fucoides linearis m.

Orig. Nr. 52

 

 

Taf. 1 Fig. 10

verschollen

 

 

Taf. 1 Fig. 12, 12a

TU Bergakademie Freiberg (Nr.176 /52 /4)

 

 

Gutbier (1835) S. 13

 

 

nach Gäa von Sachsen (1843) S. 73 Aphlebia linearis

 

 

 

 

 

Fucoides crispus m.

Orig. Nr. 55

 

 

Taf. 1 Fig. 11

verschollen, Gegenstück - MMG. Dresden (Nr. 1245)

 

 

Schrank 14 Fach 7, siehe Geinitz 1855 Taf. 26, Fig. 1

 

 

Taf. 6 Fig. 18

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 13

 

 

nach Gäa von Sachsen (1843) S. 73 Schizopteris lactuca

 

 

 

 

 

Fucoides crenatus m.

Orig. Nr. 51

 

 

Taf. 1 Fig. 14

MMG. Dresden (ohne Nr.) Schrank 14 Fach 10

 

 

Gutbier (1835) S. 14

 

 

nach Gäa von Sachsen S. 73 Aphlebia crenata

 

 

 

 

 

Fucoides dentatus m.

Orig. Nr. 54

 

 

Taf. 1 Fig. 1

verschollen(Gegenstück)-MMG. Dresden(ohne Nr.)

 

 

Schrank 15 Fach 16 ,siehe Geinitz 1855 Taf. 26 Fig. 1

 

 

Taf. 1 Fig. 2

MMG. Dresden (ohne Nr.) Schrank 14 Fach 13

 

 

Taf. 1 Fig. 4

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 14

 

 

nach Gäa von Sachsen (1843) S. 73 Schizopteris flabellata

 

 

 

 

 

Calamites suckowii

Orig. Nr. 2

 

 

Taf. 2 Fig. 1, 1a

verschollen

 

 

Taf. 2 Fig. 2   

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 17

 

 

Gäa von Sachsen S. 67

 

 

 

 

 

Calamites undulatus

Orig. Nr. 8

 

Taf. 2 Fig. 5, 5a

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 18

 

 

nach Gäa von Sachsen (1843) S. 68 Calamites cannaeformis

 

 

 

 

 

Calamites ramosus

Orig. Nr. 4

 

 

Taf. 2 Fig. 6, 6a

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 18

 

 

Gäa von Sachsen S. 68

 

 

 

 

 

Calamites cruciatus

Orig. Nr. 5

 

 

Taf. 2 Fig. 9 

verschollen

 

 

Taf. 2 Fig. 10

verschollen

 

 

Taf. 2 Fig. 12

verschollen

 

 

Taf. 2 Fig. 13

verschollen

 

 

Taf. 2 Fig. 15

verschollen

 

 

Taf. 2 Fig. 16

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 19

 

 

Gäa von Sachsen S. 68

 

 

 

 

 

Calamites cannaeformis

Orig. Nr. 8

 

 

Taf. 2 Fig. 7, 7a

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 22

 

 

Gäa von Sachsen S. 68

 

 

 

 

 

Calamites nodusus

Orig. Nr. 10

 

 

Taf. 3 Fig. 1, 1a

TU Bergakademie Freiberg ( Nr. 176 /5)

 

 

Gutbier (1835) S. 23

 

 

Gäa von Sachsen S. 69

 

 

 

 

 

Calamites approximatus

Orig. Nr. 11

 

 

Taf. 2 Fig. 3, 3a

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 23

 

 

Gäa von Sachsen S. 69

 

 

 

 

 

Calamites tuberculosus m.

Orig. Nr. 3

 

 

Taf. 2 Fig. 4, 4a

verschollen

 

 

Taf . 2 Fig. 14

verschollen

 

 

Taf. 3b Fig. 4

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 24

 

 

Gäa von Sachsen S. 68

 

 

 

 

 

Calamites infractus m. (Rotliegendes)

Orig. Nr. 19

 

 

Taf. 3 Fig.1, 1a, b, c

verschollen

 

 

Taf. 3 Fig. 4

verschollen

 

 

Taf. 3 Fig. 5

verschollen

 

 

Taf. 3 Fig. 6

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 25

 

 

Gäa von Sachsen S. 69

 

 

 

 

 

Calamites articulatus m. (Rotliegendes)

Orig. Nr.19

 

 

Taf. 3 Fig. 2

MMG. Dresden. (Nr. 2303) Schrank C 14 Fach 10

 

 

Taf. 3 Fig. 3

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 26

 

 

nach Gäa von Sachsen (1843) S. 69 Calamites infractus

 

 

 

 

 

Calamites sulcatus m.

 

 

Taf. 2 Fig. 8, 8a

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 27

 

 

 

 

 

Calamites affinis m.

 

 

Taf. 2 Fig. 11, 11a

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 27

 

 

 

 

 

Calamites elongatus m.

Orig. Nr. 5

 

 

Taf. 3b Fig. 2, 2a

verschollen

 

 

Taf. 3b Fig. 3

verschollen

 

 

Gutbier (1835) S. 28