Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

Baum des Jahres 1996 / Tree of the Year 1996

Die Hainbuche - Carpinus betulus

Die Hainbuche ist zwar ein Baum, der im Hain wächst, aber sie ist keine Buche. Sie gehört zu den Birkengewächsen. Ihre Blätter haben eine leichte Ähnlichkeit mit denen der Buche. Sie sind jedoch im Gegensatz zu den glattrandigen Buchenblättern doppelt gesägt. Während die Buchenrinde glatt und rötlichgrau schimmernd ist, zeigt sich die Rinde der Hainbuche weiß- bis silbergrau (Weißbuche) und rautenartig aufgerissen.

Die Hainbuche ist einhäusig. Im Mai erscheinen auf einem Baum zusammen die blaßgrünen bis rötlichen männlichen Kätzchen und die weiblichen grünen mit roten Narben. Der Wind besorgt die Bestäubung. Die Früchte sind kleine gerippte Nüßchen, gleich mit drei Samenflügeln ausgestattet, die zu 8 Paaren an den Zweigen hängen. Wiederum ist es der Wind, der die geflügelten Samen oft kilometerweit trägt.

Das auffälligste Merkmal der Hainbuche ist ihre enorme Ausschlagfähigkeit. Besonders in der Barockzeit schufen die Gartenplaner aus diesem Gehölz nicht nur Lauben und Gänge sondern auch kühne Grünarchitektur. Für den Waldbauern ist sie eine „dienende" Baumart. Sie hilft die Schäfte von Eichen und Eschen zu beschatten oder vor Wildverbiß zu schützen. Ihr Laub ist leicht zersetzlich und bildet guten Humus. Auch in heutiger Zeit schätzt man sie als Hecke, da sie Vögeln ideale Brutplätze bietet.

Der 20-25 m hohe Baum, vom Atlantik bis zum Kaukasus vorkommend, bildet nie einen reinen Bestand, sondern ist in Mischwäldern gegenüber anderen Baumarten duldsam. Er liebt frische, feuchte, nährstoffreiche und tiefgründige Böden.

Ein „hanebüchener" Geselle ist so hart und klotzig wie das Hainbuchenholz. Es ist das schwerste und härteste einheimische Holz und wurde von Drechslern, Tischlern und Werkzeugmachern begehrt. Viele Verwendungsmöglichkeiten wie Dreschflegel, Windmühlenflügel oder Butterfässer sind überholt, aber für Webschützen und Hülsen der Textilindustrie oder für den Klavierbau ist es auch heute noch unentbehrlich.
[Text: B. Mory]

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