Wußten Sie, daß diese lila-blühende Pflanze eine Orchidee
ist? Sie gehört zu der größten Blütenpflanzen-Familie, die
besonders in den Tropen vorkommt. Aber auch in unserer heimischen Pflanzenwelt
gibt es zirka 60 Arten. Das breitblättrige Knabenkraut - Dactylorhiza
majalis - ist weit verbreitet in Europa und Sibirien.
Warum
wurde sie (von der Stiftung Natur und Pflanze) zur Pflanze des Jahres 1994 gewählt?
Die Antwort ist in ihrer Lebensweise zu finden: sie liebt feuchte Füße",
d.h. Naßwiesen, Quellsümpfe und Auen. Diese Lebensräume sind
bedroht, denn nasse Wiesen werden als ertraglos angesehen und bebaut, als Müllkippen
gebraucht oder zur landwirtschaftlichen Nutzung trockengelegt und gedüngt.
Die Vernichtung ihres Biotops bedeutet das Ende der davon und untereinander abhängigen
Lebensgemeinschaft von Tieren und Pflanzen.
Alle heimischen
Orchideen-Arten werden als gefährdet eingestuft und sind gesetzlich geschützt.
Aber ihr Überleben ist nur dann gesichert, wenn auch gleichzeitig ihr
Lebensraum geschützt wird, z.B. durch extensive Nutzung wie ein- bis
zweimalige Mahd pro Jahr.
Bei uns im Sumpf- und Wassergarten findet das Knabenkraut so gute
Lebensbedingungen, daß es sich an vielen Stellen selbst ausgesät hat.
Leider fallen hier und in der Natur viele Exemplare der Sammelleidenschaft
einiger Blumenliebhaber" zum Opfer.
Übrigens sind Orchideen-Samen so klein wie Blütenstaub. Da
sie kein Nährgewebe haben, brauchen sie einen spezifischen Wurzel-Pilz zum
Keimen und Wachsen. Auf ihre handförmig gespaltene Knolle weist ihr Name
Dactylorhiza oder Fingerwurz hin. Mit ihren lila-gefleckten Blättern
können diese Erd-Orchideen einen halben Meter hoch werden. Sie blühen
von Mai bis Juli.
[Text: R. Jahn & Ch. Beurton, Zeichnung: M.
Heilmeyer]