Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

Baum des Jahres 1997 / Tree of the Year 1997

Die Eberesche - Sorbus aucuparia

"Wie selig, ein ganzes Wäldchen von Ebereschen zu besitzen, von flammenden Bäumen, von Zweigen, an denen die lebendige Koralle wächst. Schwarze Vögel kommen und vollenden das Farbenspiel.", so schwärmte schon die Schriftstellerin Else Lasker-Schüler.

Der Name Eberesche trat erstmals im 16. Jahrhundert auf. Er stammt vermutlich aus dem Wort "Aber-Esche"(= echte, minderwertige Esche vgl. Aberglaube, Aberwitz) und verweist auf die eschenähnlichen Blätter. Eine Beziehung zum Eber, dem männlichen Schwein, besteht daher nicht. Viele Bezeichnungen leiten sich von den von Vögeln geschätzten Früchten ab (z.B. Vogelbeerbaum, Vogelkirsche, Drosselbeere).

Die Eberesche ist eine der anspruchslosesten Holzpflanzen. Sie wächst an trockenen wie feuchten, an mineralstoffhaltigen wie humusreichen, an schattigen wie sonnigen Standorten. Gemäß ihren geringen Ansprüchen findet man sie sowohl an felsigen Hängen, in lichten Laub- und Nadelwäldern, als auch auf Hochmooren und in Erlenwäldern. Am üppigsten gedeiht sie auf lockeren, sandig-lehmigen Böden. Sie ist fast in ganz Europa, in Kleinasien, Westsibirien und Indien verbreitet. Häufig anzutreffen ist die Eberesche in den deutschen Mittel- und Hochgebirgen bis zu einer Höhe von 2400 m.

Die Eberesche, ein Baum aus der Familie der Rosengewächse, wird 5-15 m hoch und ist oft mehrstämmig. Der Stamm ist durch eine hellgraue, glatte oder schwärzliche, rissige Rinde gekennzeichnet. Vier bis neun länglich-lanzettliche Blättchenpaare bilden ein ca. 20 cm langes unpaarig gefiedertes Blatt. Im Herbst verfärbt sich das Laub der Eberesche blutrot. Ihre Blütezeit fällt in den Mai. Die doldentraubigen Blütenstände erreichen einen Durchmesser von bis zu 15 cm. Die kleinen weißen Blüten verströmen einen starken Mandelgeruch.

In ihrem Aufbau sind die roten saftigen Früchte kleinen Äpfeln ähnlich. Siewerden sehr gerne von verschiedenen Vögeln (Vogelbeere!) gefressen. Auch wir verwenden sie mehrfach, sind sie doch reich an Vitamin C. So werden sie kandiert oder zu Kompott, Gelee oder auch Kaffee-Ersatz verarbeitet, in Indien werden aus ihnen Extrakte, Sirup und Most hergestellt. Die Volksmedizin setzte sie gegen Lungenkrankheiten ein.

Wahrscheinlich wurden die Vogelbeeren schon in prähistorischer Zeit verwendet. Karl der Große empfahl den Anbau der Eberesche in Deutschland. Seit dem 17. Jh. wurde sie in Russland und Indien kultiviert. Erst Anfang des 19. Jh. wurde die „Mährische Eberesche“ (ssp. moravica), deren Früchten der bittere Geschmack fehlt, entdeckt. Diese Unterart wird seitdem als Obstbaum, auch Edeleberesche genannt, angebaut.

Früher soll der Vogelbeerbaum dem Gewittergott heilig gewesen sein. In Schlesien herrschte der Volksglaube, je mehr Früchte am Baum sind, desto strenger wird der kommende Winter. Der Baum des Jahres 1997 bietet nicht nur den Vögeln Unterschlupf und Nahrungsquelle, er ist an vielen Orten, besonders in den Mittelgebirgen, ein beliebter Haus- und Straßenbaum geworden. Auch im Botanischen Garten wird er mehrfach angepflanzt wie im System oder im Arboretum; das schönste Exemplar befindet sich in der Nähe des Arzneipflanzengartens.

[Dr. Birgit Mory]

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