Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

Baum des Jahres 1998 / Tree of the Year 1998

Die Wildbirne - Pyrus pyraster

Birnbäume erkennt fast jeder an ihren Früchten. Von den Apfelbäumen unterscheiden sie sich durch die stets reinweißen Blüten mit purpurnen, nie gelben Staubbeuteln. Wildbirnen dürfen aber korrekterweise nur jene genannt werden, die keinerlei Zeichen von Domestikation aufweisen.

Was ist das eigentlich: "Die Wildbirne"? Was sagen die Botaniker? Die Gattung Birne, Pyrus, umfaßt je nach Auffassung 20 bis 74 Arten, die in Europa, Nordafrika, Westasien, Persien und dem Himalaja bis Japan verbreitet sind. In Europa kommen 10 Arten vor. Ein großer Teil dieser Arten ist an der Entstehung der Kultur-Birnen oder Gewöhnlichen Birnen, P. communis L., beteiligt. Nicht selten tritt sie verwildert auf, die sortenspezifischen Merkmale sind verloren gegangen. Es sind hochaufstrebende, landschaftsprägende Bäume mit knorrigem Astwerk und gefelderter Borke. Die kleinen, wenig schmackhaften Früchte werden rasch "teigig". Diese Kulturbirnen, vom Obstbauern und Baumzüchter auch als Birnwildling bezeichnet, werden von alters her als Mostbirnen in der Landschaft und an Straßen angepflanzt.

An Waldrändern, in sonnigen Laubmischwäldern und Eichenwäldern ist die Holz-Birne, P. pyraster, anzutreffen. Ihr Name deutet auf ihren Standort und den Lieferanten des geschätzten Birnbaumholzes hin. Von der Kultur-Birne unterscheiden sie sich vor allem durch die bedornten Zweige und die Früchte, die nicht einmal 5 cm lang sind. In unserer kulturüberprägten Landschaft sind sie leider seltener als die vielzitierte Stecknadel im Heuhaufen anzutreffen.

Wild- und Kultur-Birne bieten Lebensraum für selten gewordene Tiere und sind auch aus kulturhistorischen Gründen schützenswert.

Statt nach der Nadel im Heuhaufen zu suchen, schauen Sie sich im Arboretum, der Baumsammlung unseres Botanischen Gartens um. Hier wachsen Wildbirnen aus aller Welt. Neben europäischen Arten sind fast ebenso viele asiatische Arten vorhanden.

[Text: R. Marquardt, B. Mory]

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