Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

Blume des Jahres 1999 / Flower of the Year 1999

Sumpfdotterblume - Caltha palustris

Aussehen
Die zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) gehörende ausdauernde Pflanze wird je nach Standort 15-50 cm hoch. Die saftigen, hohlen Stengel sind verzweigt und tragen dunkelgrün glänzende, stumpf herz- bis nierenförmige Blätter, die am Grunde bis zu 25 cm breit werden können, zum Stielende hin aber an Größe abnehmen. Im April bis Mai erscheinen die schalenförmigen, dottergelben Blüten, die jedoch nicht von Blütenblättern, sondern lediglich von den Kelchblättern gebildet werden und einen Durchmesser von etwa 5 cm besitzen.
Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, die durch reichlich Nektar angelockt werden. Die kleinen, balgförmigen Früchte öffnen sich bei Reife und stehen sternförmig und leicht nach oben gerichtet zusammen, so daß sie eine kleine Auffangschale für Regentropfen bilden. Trifft ein Tropfen in den Napf, so werden die leichten Samen durch den Aufprall herausgeschleudert. Die Samen sind schwimmfähig und werden sowohl durch das Wasser als wohl auch durch Wassergeflügel verbreitet.
Die Pflanze ist giftverdächtig.

Name
Die Bedeutung des Gattungsnamens Caltha ist nicht ganz klar, möglicherweise bedeutet er im Altgriechischen "Korb" oder "Schale" und beschreibt damit die schalenförmigen Blüten der Pflanze. Der Artname palustris (von lateinisch palus = Sumpf) weist auf ihr Vorkommen an feuchten Standorten hin. Der deutsche Name Dotterblume beschreibt die eidottergelbe, glänzende Blüte. Regional sind weiterhin Namen wie Butter-, Schmalz-, Eier- und Kuhblume, auch Wiesengold oder Goldrose gebräuchlich.

Vorkommen
Ursprünglich eine Art der Auen- und Bruchwälder ist die Sumpfdotterblume in unserer Kulturlandschaft vor allem in Röhrichten und Riedern, an Bach- und Grabenrändern und auf feuchten Wiesen verbreitet. Dieses nach seiner Charakterart als Sumpfdotterblumenwiese bezeichnete Feuchtgrünland bietet im Frühsommer durch die Begleitarten Kuckuckslichtnelke, Sumpfvergißmeinnicht, Wiesenknöterich, Kohldistel und vielen anderen Blütenpflanzen einen farbenprächtigen Anblick. Schwankende Wasserstände werden von der Sumpfdotterblume gut ertragen. In Norddeutschland werden Bestände dieser Pflanze, die im tidebeinflußten Röhricht der Flüsse stehen, sogar bis zu einem Meter hoch.
Die Verbreitung ist zirkumpolar, d.h. sie umfaßt außer Europa (bis Island und arktisches Rußland) auch das gemäßigte und nördliche Asien sowie das nördliche und arktische Amerika.

Gefährdung
Die Sumpfdotterblume ist derzeit nur auf den Roten Listen Niedersachsens und Hamburgs als gefährdet eingestuft, jedoch ist die Art bundesweit im Rückgang begriffen. Ursache war in jüngerer Vergangenheit vor allem die großräumige Entwässerung der Landschaft, jedoch fand die Sumpfdotterblume, vom Weidevieh gemieden, immer noch ein Refugium an Grabenrändern oder in Senken auf Feuchtwiesen.
Seit einigen Jahren macht die moderne Milchviehhaltung, bei der das Vieh im Stall steht und mit siliertem Gras gefüttert wird, für eine bessere Grünfutterausbeute bei der Mahd die Planierung der Wiesen erforderlich, wobei die letzten Senken und Grüppen eingeebnet und Gräben verfüllt werden. Auf diese Weise ist die Sumpfdotterblume in den letzten Jahren aus weiten Bereichen der Landschaft verschwunden.

Die Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen besitzt einige Grundstücke, auf denen neben vielen anderen Pflanzen auch die Sumpfdotterblume durch gezielte Pflege in ihren Beständen erhalten werden kann.

Gartenpflanze
Die Sumpfdotterblume ist auch eine attraktive Gartenpflanze für den Rand des Gartenteiches. Sie sollte aber nicht aus der Natur entnommen, sondern in einer Staudengärtnerei bezogen werden. Hier sind auch gefülltblühende Pflanzen sowie eine weiße Form erhältlich.

[Text: Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze Gefährdeter Pflanzen]

Weitere Pflanzen des Jahres / Others Plants of the Year
Seite drucken