Die wissenschaftlichen Pflanzennamen sind von großer Bedeutung, weil sie den Schlüssel zu unserem Wissen über die Pflanzenwelt bilden, denn Informationen über eine Pflanze kann man in Büchern nur finden, wenn man ihren Namen kennt. In der botanischen Systematik wird jede Pflanze benannten Sippen (Fachausdruck: Taxa, Einzahl Taxon) zugeordnet, die verschiedenen, einander übergeordneten Rangstufen angehören. Die Grundrangstufe ist die Art (species). Eine Art kann einerseits z.B. in Unterarten (subspecies), Varietäten (varietas) und Formen (forma) unterteilt werden. Andererseits kann sie in aufsteigender Reihenfolge zahlreichen Taxa höherer Rangstufen zugeordnet werden; d.h. eine Art gehört z.B. zu einer Gattung, Familie, Ordnung, Klasse und Abteilung. Im Bedarfsfalle werden noch weitere Zwischenrangstufen unterschieden.
Die Anwendung der wissenschaftlichen Namen wird durch den für alle Botaniker verbindlichen "Internationalen Code der Botanischen Nomenklatur" (letzte Ausgabe 2007) geregelt; sie werden ohne Rücksicht auf ihre sprachliche Ableitung wie lateinische Namen behandelt. Der Name einer als neu beschriebenen Art ist danach nur dann gültig veröffentlicht, wenn er mit einer lateinischen Beschreibung verbunden ist. Außerdem ist vorgeschrieben, dass der Herbarbeleg zitiert werden muss, auf dem die Beschreibung der neuen Art beruht, der sogenannte Typus. Ebenso muss der Autor die Sammlung bzw. das Institut nennen, in dem dieser Typus aufbewahrt wird.
Der Artname setzt sich immer aus zwei Teilen zusammen. Dabei folgen wir dem Vorbild der von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) zum ersten Mal konsequent angewendeten zweigliedrigen (binären) Benennung. Der stets groß geschriebene Gattungsname bildet den ersten Teil; der zweite Namensteil, das sogen. Artepitheton (Beiwort), wird in der Regel klein geschrieben.
Als Beispiel für die Benennung einer Art und der ihr übergeordneten Sippen sei hier die Kartoffel genannt (in Klammern werden die für die Namen der höheren Rangstufen typischen Endungen genannt):
Hierbei ist zu beachten, dass die Sippen höherer Rangstufe in verschiedenen Systemen unterschiedlich abgegrenzt (und benannt) werden können.
|
|
Bei Kulturpflanzen werden häufig zahlreiche Sorten (cultivar, cv.) unterschieden. Seit 1959 müssen neue Namen solcher Sorten Phantasienamen sein und dürfen nicht mehr den latinisierten botanischen Namen entsprechen, was vorher zulässig war, z.B.
Sortennamen sind an der Abkürzung cv. oder an einfachen Anführungszeichen zu erkennen.
Beispiel eines Namensschildes des Botanischen Gartens:
[Text und Abbildung: P. Hiepko]