De Herbario BeroIinensi NotuIae No. 13 PAUL HIEPKO Das Herbar von Rudolf Baschant Abstract Hiepko, P.: Das Herbar von Rudolf Baschant. [The herbarium of Rudolf Baschant.] – Willdenowia 10: 83-86.1980. – ISSN 0511- 9618. The author provides a short biography of the Austrian plant collector Rudolf Baschant (1897-1955). The herbarium of Baschant with more than 20 000 specimens, including duplicates from other collectors (partly listed), is now incorporated in the herbarium at Berlin-Dahlem (B). 1. Einleitung Das nach einem unveröffentlichten Gutachten von G. Buchheim über 20000 Exemplare (”21000-25000 Bögen”) umfassende Herbar von Rudolf Baschant kam im April 1959 durch Kauf von der Witwe des Sammlers, Frau Elfriede Baschant, an das Botanische Museum Berlin-Dahlem (B). Da diese Sammlung neben den vielen von Baschant selbst gesammelten Pflanzen auch Dubletten mehrerer anderer, z.T. recht bedeutender Sammler enthält, soll hier kurz über Baschant und sein Herbar berichtet werden. Die Angiospermen dieser Sammlung sind heute in das Herbar des Botanischen Museums Berlin-Dahlem eingeordnet. 2. Das Leben von Rudolf Baschant Die Autobiographie Baschants (Baschant 1956) und die Daten auf den Herbarbelegen dienten dem Verfasser als Quellen für den folgenden Lebenslauf. Rudolf Baschant wurde am 29. August 1897 als Sohn eines aus Wien stammenden Architekten in Salzburg (Österreich-Ungarn) geboren. Seine Mutter kam aus Kleinzell im Mühlviertel. Bald nach der Geburt Rudolfs übersiedelte die Familie jedoch ins Deutsche Reich, zuerst nach Breslau, später (1909) nach Essen und schließlich nach Idstein am Taunus. Nur die Ferien verbrachte der Knabe häufig in der österreichischen Heimat der Mutter. Nachdem er zunächst Insekten gesammelt hatte, begann R. Baschant schon im 12. Lebensjahr sich intensiv mit dem Sammeln und Bestimmen von Pflanzen zu beschäftigen. Angeregt wurde er dazu durch den Kontakt mit einem Gymnasiallehrer, der ein Herbar besaß und zufällig in demselben Essener Haus wohnte wie die Familie Baschant. Bald schenkten ihm seine Eltern die bis dahin erschienenen Bände des "Hegi", und der Schüler beschäftigte sich eifrig mit Floristik. Noch während der Schülerzeit sammelte er an der Ruhr und am Niederrhein, und auf einer Reise zu seinem in Pola (Istrien) lebenden Onkel kam er durch Oberbayern und Südtirol sowie an den Gardasee und nach Nordost-Italien. Später sammelte er von Essen aus am Rhein aufwärts bis zum Mainzer Becken. Trotz seines großen Interesses für die Pflanzenwelt studierte Baschant nicht Botanik, sondern er besuchte, seiner ebenfalls früh entdeckten Neigung zum Zeichnen entsprechend, Kunstschulen in Essen, Frankfurt am Main, Weimar und Leipzig, um Graphiker zu werden. Nach der Meisterprüfung war er als freier Künstler tätig. In dieser Zeit, in der er auch mehrere Jahre in Halle an der Saale ansässig war, gelang es ihm immer wieder, mit Botanikern in Kontakt zu kommen. Dazu gehörten J. Bornmüller, O. Schwarz (dem er sich auf vielen Exkursionen durch Thüringen anschloß), W. Troll, H. Meusel u. a. Von 1924 bis zum 2. Weltkrieg führten Baschant mehrere Reisen, auf denen er immer eifrig Pflanzen sammelte, in die folgenden Gebiete: Italien und Sizilien (mehrfach), Süd- Frankreich, Süd-England, Belgien, Schweiz, Tschechoslowakei, Dalmatien und Tripolis. Im Herbst 1935 war er in Brasilien (von der Küste bei Rio de Janeiro bis Süd-Brasilien), und auf der Rückreise besuchte er kurz die Azoren, Senegal und Marokko. 1937 führte ihn eine zusammen mit H. Meusel durchgeführte botanische Reise nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Nachdem Baschant den in Innsbruck tätigen H. Gams in Halle kennengelernt hatte, legte er in der Umgebung von Innsbruck umfangreiche Moossammlungen an. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich später der einzige Beitrag des Künstlers zu einem wissenschaftlich-botanischen Werk: Baschant zeichnete die Vorlagen für die Illustrationen der Moos- und Farnpflanzen in der ”Kleinen Kryptogamenflora von Mitteleuropa” (Gams 1940). Im 2. Weltkrieg lebte Baschant, der 1940 geheiratet hatte, in Dessau, Berlin und in Südwest-Deutschland. Nach dem Krieg übersiedelte er nach Linz a.d. Donau. Unter großen Mühen gelang es ihm, sein umfangreiches Herbar unversehrt über den Krieg zu bringen und später nach Österreich zu verlagern. Dort kam es über Zwischenstationen in Klaus (Oberösterreich) und Steyr schließlich nach Linz. Rudolf Baschant wurde in Linz Magistratsbediensteter und war zunächst an der Neuen Galerie, ab November 1953 am Botanischen Garten der Stadt tätig. In dieser Zeit wuchs sein Herbar weiter, einerseits durch die vorwiegend in den österreichischen und italienischen Alpen gesammelten Pflanzen, andererseits durch den Tausch mit in- und ausländischen Sammlern und Instituten. R. Baschant starb am 1. Juli 1955 in Linz (Österreich). 3. Das Herbar Bei dem Herbar Baschant, das wie bereits erwähnt heute größtenteils in unser Generalherbar eingeordnet ist, handelt es sich fast ausschließlich um ein Angiospermenherbar. Von den Gruppen der Kryptogamen sind nur die Moose etwas stärker vertreten (23 Faszikel). Die Sammlung bestand, nach Stichproben zu urteilen, zu rund 75 % aus Pflanzen, die von Baschant selbst gesammelt worden waren. Diese stammen aus allen von ihm bereisten Ländern (siehe oben), wobei besonders Belege aus der Umgebung seiner Hauptwohnsitze reich vertreten sind, d.h. Pflanzen aus Mitteldeutschland und Oberösterreich. Die restlichen Herbarbelege (ca. 25 %, d. h. einige tausend Bögen) stammen von anderen Sammlern und sind offenbar auf verschiedenen Wegen an Baschant gelangt. Baschant stand vor und nach dem 2. Weltkrieg mit mehreren in- und ausländischen Botanikern bzw. Instituten in Kontakt und tauschte mit diesen Herbarmaterial. In seiner Autobiographie tauchen z.B. die folgenden Namen auf: Bernau (Halle), Chapman (Herb. Univ. Auckland, Neuseeland), Desplantes (Frankreich), Fiedler (Leipzig), Fisher (Houston, Texas), E. Meyer (Ljubljana) u. a. Neben den aus diesen Quellen stammenden Pflanzen enthielt das Herbar Baschant aber auch zu seinem in Pola (Istrien) lebenden Onkel kam er durch Oberbayern und Südtirol sowie an den Gardasee und nach Nordost-Italien. Später sammelte er von Essen aus am Rhein aufwärts bis zum Mainzer Becken. Trotz seines großen Interesses für die Pflanzenwelt studierte Baschant nicht Botanik, sondern er besuchte, seiner ebenfalls früh entdeckten Neigung zum Zeichnen entsprechend, Kunstschulen in Essen, Frankfurt am Main, Weimar und Leipzig, um Graphiker zu werden. Nach der Meisterprüfung war er als freier Künstler tätig. In dieser Zeit, in der er auch mehrere Jahre in Halle an der Saale ansässig war, gelang es ihm immer wieder, mit Botanikern in Kontakt zu kommen. Dazu gehörten J. Bornmüller, O. Schwarz (dem er sich auf vielen Exkursionen durch Thüringen anschloß), W. Troll, H. Meusel u. a. Von 1924 bis zum 2. Weltkrieg führten Baschant mehrere Reisen, auf denen er immer eifrig Pflanzen sammelte, in die folgenden Gebiete: Italien und Sizilien (mehrfach), Süd- Frankreich, Süd-England, Belgien, Schweiz, Tschechoslowakei, Dalmatien und Tripolis. Im Herbst 1935 war er in Brasilien (von der Küste bei Rio de Janeiro bis Süd-Brasilien), und auf der Rückreise besuchte er kurz die Azoren, Senegal und Marokko. 1937 führte ihn eine zusammen mit H. Meusel durchgeführte botanische Reise nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Nachdem Baschant den in Innsbruck tätigen H. Gams in Halle kennengelernt hatte, legte er in der Umgebung von Innsbruck umfangreiche Moossammlungen an. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich später der einzige Beitrag des Künstlers zu einem wissenschaftlich-botanischen Werk: Baschant zeichnete die Vorlagen für die Illustrationen der Moos- und Farnpflanzen in der ”Kleinen Kryptogamenflora von Mitteleuropa” (Gams 1940). Im 2. Weltkrieg lebte Baschant, der 1940 geheiratet hatte, in Dessau, Berlin und in Südwest-Deutschland. Nach dem Krieg übersiedelte er nach Linz a.d. Donau. Unter großen Mühen gelang es ihm, sein umfangreiches Herbar unversehrt über den Krieg zu bringen und später nach Österreich zu verlagern. Dort kam es über Zwischenstationen in Klaus (Oberösterreich) und Steyr schließlich nach Linz. Rudolf Baschant wurde in Linz Magistratsbediensteter und war zunächst an der Neuen Galerie, ab November 1953 am Botanischen Garten der Stadt tätig. In dieser Zeit wuchs sein Herbar weiter, einerseits durch die vorwiegend in den österreichischen und italienischen Alpen gesammelten Pflanzen, andererseits durch den Tausch mit in- und ausländischen Sammlern und Instituten. R. Baschant starb am 1. Juli 1955 in Linz (Österreich). 3. Das Herbar Bei dem Herbar Baschant, das wie bereits erwähnt heute größtenteils in unser Generalherbar eingeordnet ist, handelt es sich fast ausschließlich um ein Angiospermenherbar. Von den Gruppen der Kryptogamen sind nur die Moose etwas stärker vertreten (23 Faszikel). Die Sammlung bestand, nach Stichproben zu urteilen, zu rund 75 % aus Pflanzen, die von Baschant selbst gesammelt worden waren. Diese stammen aus allen von ihm bereisten Ländern (siehe oben), wobei besonders Belege aus der Umgebung seiner Hauptwohnsitze reich vertreten sind, d. h. Pflanzen aus Mitteldeutschland und Oberösterreich. Die restlichen Herbarbelege (ca. 25 %, d. h. einige tausend Bögen) stammen von anderen Sammlern und sind offenbar auf verschiedenen Wegen an Baschant gelangt. Baschant stand vor und nach dem 2. Weltkrieg mit mehreren in- und ausländischen Botanikern bzw. Instituten in Kontakt und tauschte mit diesen Herbarmaterial. In seiner Autobiographie tauchen z.B. die folgenden Namen auf: Bernau (Halle), Chapman (Herb. Univ. Auckland, Neuseeland), Desplantes (Frankreich), Fiedler (Leipzig), Fisher (Houston, Texas), E. Meyer (Ljubljana) u. a. Neben den aus diesen Quellen stammenden Pflanzen enthielt das Herbar Baschant aber auch teilweise recht umfangreiche Sätze von Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert. Auf welchem Wege diese Dubletten in den Besitz von Baschant gelangt sind ist unklar. Sie sind mit kleinen, offenbar von Baschant selbst geschriebenen Etiketten versehen, die meist nur den Namen des Sammlers und das Herkunftsland enthalten. Manchmal finden sich auch alte Etiketten, auf denen ich die Schrift D. F. L. von Schlechtendals erkennen konnte. Schlechtendal war lange Zeit in Halle tätig. Einzelne Etiketten mit dem gedruckten Kopf "Herbarium hort. regii Halensis" bestätigen den Verdacht, daß zumindest Teile des alten Materials aus dem Herbar in Halle (HAL) stammen müssen. Wahrscheinlich hatte Baschant die Erlaubnis, aus diesem Herbar Dubletten zu entnehmen. Auch die von Kerstan 1935 auf der deutschen Hindukusch-Expedition gesammelten Pflanzen kann Baschant wohl nur aus dem Herbar in Halle erhalten haben. Anhand von Stichproben ermittelte ich, daß die in der folgenden Liste aufgeführten Sammler im Herbar Baschant mit ca. 50-100 oder mehr Exemplaren vertreten waren. Die Originalsammlungen oder umfangreiche Dublettensätze einiger der älteren Sammler waren früher in Berlin (vgl. Urban 1917). Nun sind sie wenigstens in kleineren Mengen, worunter sich nicht selten Typusmaterial befindet, wieder in unserem Herbar vertreten. Die geographischen Angaben beziehen sich auf das im Herbar Baschant enthaltene Material; die auf die Sammeltätigkeit bezogenen Jahreszahlen gehen z.T. auf andere Quellen zurück (Urban 1917 und Index Herbariorum, Part II: Collectors). Bergius, K H., S.-Afrika, 1815-1817 Bicknell, C., Mittelmeergebiet, 1890-1908 Buchtien, O., Bolivien, 1906-1914 Caballero, A., Spanien, um 1935 Cacciato, A., Italien: ”Plantae in Agro Romano Lectae”, um 1954 Ecklon, C. F., S.-Afrika, 1823-1868 Ecklon, C. F. & Zeyher, K. L. P., S.-Afrika, 1829-1832 (einige hundert Belege) Ehrenberg, C. A., Westindische Inseln, nördl. S.-Amerika, um 1830 Fisher, G. L., Texas, 1933-949 Hohenacker, R. F., Kaukasien, Persien, Indien u. a., 1821-1851 Kerstan, G., Hindukusch, 1935 Lorentz, P. G., "Flora Entreria" (Uruguay), um 1875 Orphanides, T., Griechenland, 1853-1862 Pabst, C., Brasilien (Santa Catarina), 1846-1851 Philippi, (R. A.?), Chile, um 1830? Reverchon, E., Mittelmeergebiet, um 1890 Rugel, F., U.S.A., um 1845 Schiede, C. J. W., Mexiko, ca. 1825-1830 Schimper, W., Abyssinien, Kordofan, Nubien, 1832 bis ca. 1860 Sellow, F., Brasilien, 1814-1831 (mehr als 100 Belege) Sieber, F. W., Australien, Mauritius u. a., 1821-1824 Wohak, Frida, Türkei (Prov. Sivas), 1954 (ca. 250 Belege) Zitierte Literatur Baschant, R. 1956: Mein Weg zur ”lieblichen Wissenschaft”. – Naturk. Jahrb. Stadt Linz 1956: 235-240. Gams, H. 1940: Kleine Kryptogamenflora von Mitteleuropa. Bd. I: Die Moos- und Farnpflanzen (Archegoniaten). – Jena. Urban, I. 1917: Geschichte des Königlichen Botanischen Museums zu Berlin-Dahlem (1815-1913) nebst Aufzählung seiner Sammlungen. – Beih. Bot. Centralbl. Sect. 1, 34 (1/2). (Sonderdruck mit dem Aufdruck 1916). Anschrift des Verfassers: Prof. Dr. P. Hiepko, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universität Berlin, Königin-Luise- Str. 6-8, 14195 Berlin.