De Herbario Berolinensi Notulae No. 16 FRIEDHELM BUTZIN Notiz ueber deutsche Orchideen im Herbar des Botanischen Museums Berlin-Dahlem Abstract Butzin, F.: Notiz ueber deutsche Orchideen im Herbar des Botanischen Museums Berlin-Dahlem [Notes on German orchids in the herbarium of the Botanical Museum Berlin-Dahlem]. – Willdenowia 13: 393–396. 1983. – ISSN 0511–9618. The herbarium of the Botanical Museum of Berlin-Dahlem (B) nowadays contains ca. 1600 specimens of German orchids. Some notes on the geographical distribution of these collections are given. Die kuerzlich abgeschlossene alphabetische Neuordnung des Orchideenherbars bot die Moeglichkeit, die Herbarbestaende nach verschiedenen Gesichtspunkten auszuwerten. Einer davon ist die katalogische Erfassung aller in Deutschland gesammelten Orchideen, ueber die das Wesentliche hier mitgeteilt werden soll. Von gegenwaertig insgesamt etwas ueber 9000 Herbarbelegen bei den Orchideen belaufen sich die in Deutschland gesammelten auf knapp 1600 Nummern, also rund 17 %. Am haeufigsten wurden gesammelt: Gymnadenia conopea 79 Expl. Dactylorhiza majalis 68 Expl. Dactylorhiza incarnata 65 Expl. Neottia nidus-avis 58 Expl. Cypripedium caiceolus 56 Expl. Dies sind solche Arten, die nach Auskunft von Floren "verbreitet" oder "zerstreut" vorkommen. Die in den Floren als "selten" angegebenen Arten liegen meist mit 15–20 Exemplaren vor, einige sogar mit mehr als 20: Liparis loesellii 29 Expl. Corallorhiza trifida 28 Expl. Listera cordata 24 Expl. Traunsteinera globosa 23 Expl. Am seltensten wurden innerhalb Deutschlands gesammelt: Aceras anthropophorum 5 Expl. Spiranthes aestivalis 3 Expl. Schliesslich ist von Nigritella rubra ueberhaupt kein deutscher Beleg vorhanden. Eine Rasterkarte von Kuenkele & Willing (1976, Fig. K1) gibt Aufschluss, wo ueberall in Deutschland bisher Orchideen gefunden worden sind. Da es sich um eine Interimskarte handelt, ist sicher noch mancher Punkt zu ergaenzen, z. B. Borkum, wo es nach van Dieken (1970) sieben Orchideenarten gibt. Unter Zugrundelegung desselben Rasters zeigt unsere Fig. 1 von welchen Gebieten Orchideen im Herbar des Botanischen Museums Berlin-Dahlem vorhanden sind. Von rund 3500 theoretisch moeglichen Fundgebieten sind nur rund 275 Felder ausgefuellt, also sehr wenige. Voellig schwarze Kreise bedeuten 20 und mehr Belege, Kreise mit Punkt bedeuten 10 bis 19 Belege, einfache Kreise weniger als 10 Belege. Beim Vergleich der Karten bemerkt man, dass Schleswig-Holstein ausserordentlich schlecht in unserem Herbar repraesentiert ist. Am besten ist das zentrale Thueringen mit knapp 300 Aufsammlungen vertreten. Nachstehend soll auf die hauptsaechlichen Sammelgebiete unseres Herbars kurz hingewiesen werden. Bundesrepublik Deutschland: Das ergiebigste Fundgebiet sind die Alpen. Vor allem von den Alpenreisen Bornmuellers ist reichlich Material vorhanden, ferner von Pritzel und von Steiner. Die Aufsammlungen des Voralpengebietes stammen fast ausschliesslich von Dick. Aus dem Schwarzwaldgebiet sind ueberwiegend drei Randregionen vertreten: Kaiserstuhl, Gegend um Freiburg/Breisgau, Huefinger Wald. Zahlreiche Funde konzentrieren sich in der Pfalz, sie gehen mit wenigen Ausnahmen auf Ludwig Gross zurueck. Deutsche Demokratische Republik: Hier ist Thueringen das artenreichste Gebiet. Insgesamt sind 35 Arten in unserem Herbar vertreten. An Sammlern sind vor allem J. Bornmueller und D. E. Meyer hervorzuheben. Fuer den Harz sind bei aelteren Funden die Fundorte teilweise nicht exakt angegeben; die neueren Funde gehen auf Daehnn zurueck. Das Stadtgebiet von Gross-Berlin wird ausfuehrlich in einer besonderen Publikation behandelt (Butzin, im Druck). Von der naeheren Umgebung ist vor allem das Osthavelland hier gut vertreten, die Funde dieses Gebietes gehen hauptsaechlich auf Roman Schulz und E. Pritzel zurueck. Andere erwaehnenswerte Gebiete der DDR sind die Uckermark und Ruegen. Insgesamt sind fuer Deutschland 240 Sammler im Orchideenherbar nachgewiesen. An der Spitze steht J. Bornmueller mit 260 Belegen. Etwa halb so viel Orchideen sind von L. Gross (130) und D. E. Meyer (123) vorhanden, sie werden dicht gefolgt von E. Pritzel (114) und R. Schulz (100). Mit weitem Abstand folgen Dick (46), Baschant (41), Beger (37), Steiner (37). Die Haelfte unseres knapp 1600 Nummern umfassenden deutschen Orchideenherbars geht somit auf 7 Sammler zurueck. Von den meisten Sammlern findet man Pflanzen in allen moeglichen Familien des Herbars. Aber doch gibt es einige Sammler, auf die man nur oder fast nur im Orchideenherbar stoesst: Dick, Gassert, Steiner, Max Schulze. Zitierte Literatur Butzin, F. (im Druck): Berliner Orchideen im Herbar des Botanischen Museums Berlin-Dahlem. – Verh. Berliner Bot. Vereins 2: (im Druck). Dieken, J. van 1970: Beitraege zur Flora Nordwestdeutschlands unter besonderer Beruecksichtigung Ostfrieslands. – Jever. Kuenkele, S. & Willing, E. 1976: Interimskarten zur Verbreitung der Orchideenarten in Mitteleuropa (1. Fassung). – Mitteilungsbl. Arbeitskr. Heimische Orchideen Baden-Wuerttemberg 8: 29–100. Anschrift des Verfassers: Dr. Friedhelm Butzin, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universitaet Berlin, Koenigin-Luise Strasse 6–8, D–14195 Berlin.