De Herbario Berolinensi Notulae No. 32 MANFRED BÄSSLER Das Herbarium von Heinz von Berg Abstract Bässler, M.: Das Herbarium von Heinz von Berg [The herbarium of Heinz von Berg]. - Willdenowia 25: 703–707. 1996. – ISSN 0511–9618. Data on the fate and contents of Berg's herbarium, which comprises 2635 specimens from Austria and the former Yugoslavia, and biographical notes on the collector are provided. Einleitung Im "Bericht über den Botanischen Garten und das Botanische Museum zu Berlin-Dahlem vom 1. April 1943 bis 31. März 1944", anonym erschienen im letzten Heft der Zeitschrift "Notizblatt des Botanischen Gartens und Museums zu Berlin-Dahlem" (Anonymus 1944), finden sich zwei kleine Notizen über das Herbarium von Heinz von Berg. In der ersten Notiz (ibid.: 852) heißt es: "Frau von Berg überwies dem Museum das Herbar ihres gefallenen Gemahls, Dr. Heinz von Berg, Assistenten am Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg; das Herbar umfaßt etwa 3000 gut etikettierte Bogen, das Material stammt von den Ostalpen (Wiener Teil), Böhmen, Mähren, Dalmatien und vom Feldzug in Polen". In der zweiten Notiz (ibid.: 847-848) ist zu lesen: "Der Kustos Prof. F. Markgraf arbeitete wesentlich im Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg; er ordnete die Herbarien Bonn, v. Berg und das Flechtenherbar und die Bibliothek Hillmann, legte ein Keimpflanzenherbar an und bestimmte das lebende Material der Balkanreise 1941". Bis heute sind dies die einzigen Hinweise in der Literatur auf die Pflanzensammlung von H. v. Berg. Da sich diese Sammlung seit 1993 wieder im Herbarium des Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem (B) befindet, soll hier über ihr Schicksal seit 1936 sowie über ihren Umfang und Inhalt kurz berichtet werden, ergänzt durch einige Angaben zu Leben und Werk des Sammlers. Am 1. Dezember 1936 hatte das Botanische Museum Berlin-Dahlem aus Bonn das "Außerrheinische Herbar des Naturhistorischen Vereins für die Rheinlande und Westfalen" als Geschenk erhalten. Diese außerordentlich wertvolle Sammlung blieb bis 1943 in Berlin, wurde dann kriegsbedingt nach Müncheberg östlich von Berlin ausgelagert und dort von F. Markgraf zusammen mit einigen Hilfskräften bearbeitet. In Müncheberg erlebte sie unversehrt das Kriegsende und wurde - nun zusammen mit dem Herbarium H. v. Berg - nach Leningrad (heute St. Petersburg, LE) transportiert und von dort 1964 über die Regierung der ehemaligen DDR der Humboldt-Universität zu Berlin übergeben. Beide Herbarien waren hier Teil der Sammlungen des Bereichs Botanik und Arboretum des Museums für Naturkunde, bis sie schließlich 1993 auf Grund einer Vereinbarung zwischen der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem in das Berliner Herbarium (B) gelangten (siehe auch Bässler 1970 und Hiepko 1979). Leben und Werk [Karl] Heinz von Berg wurde am 13. Oktober 1907 in Saarbrücken geboren. Im Juni 1929 legte er der Philosophischen Fakultät der Universität Wien (Alma Mater Rudolphina) eine Dissertation mit dem Titel "Zur Morphologie und Anatomie des Keimverzuges bei Veratrum nigrum L. Mit Bemerkungen über Keimverzug bei Streptopus amplexifolius DC. und Tricyrtis macropoda Miq." vor (Berg 1929). Das Exemplar der Dissertation in der Universitätsbibliothek Wien enthält einen amtlichen, eingeklebten Zettel, auf dem die Namen Wettstein und Klein sowie das Datum 4.7.1929 zu lesen sind. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die Namen der Gutachter und das Datum des Rigorosum (Ehrendorfer in litt.). Nach Janchen (1933) erfolgte die Promotion zum Dr. phil. am 20. Juli 1929. Vom 1.2.1928 bis 31.7.1929 war Berg zunächst wissenschaftliche Hilfskraft am Botanischen Institut der Universität Wien, danach vom 1.11.1929 wissenschaftliche Hilfskraft und vom 1.2.1931 an außerordentlicher Assistent an der Lehrkanzel für Pflanzenzüchtung der Hochschule für Bodenkultur in Wien (Ehrendorfer in litt., Janchen 1933). Hier arbeitete er unter der Leitung von Hofrat Prof. Erich von Tschermak- Seyssenegg bis 1935 und setzte ab 1.10.1935 in Müncheberg bei Berlin im Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung seine Forschungsarbeiten sehr erfolgreich fort. Er war zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Art- und Gattungsbastardierung und arbeitete über die Zytologie der Art- und Gattungsbastarde bei Getreide (Rudorf 1936). Später leitete er die Abteilung Zytologie und befaßte sich zusätzlich mit Fragen der Polyploidie durch Untersuchungen an Arten der Gattungen Mentha und Populus (Berg 1931a-b, 1932, 1933, 1934, 1935a-b, 1936, 1937, 1938; Rudorf 1938). Ein zusammenfassender Aufsatz über diese Forschungsthemen (Berg 1938–41) erschien im ersten Band des Handbuches der Pflanzenzüchtung; den Abschluß der Herausgabe dieses Bandes erlebte er jedoch nicht mehr. Er fiel im 2. Weltkrieg am 29. Juni 1941. Das Herbarium Das Herbarium von Heinz von Berg enthält insgesamt 2635 Bögen. Die Pflanzen sind gut erhalten, reichlich aufgelegt, sehr gut präpariert und ausführlich beschriftet (Fig.1). Alle hat, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Berg selbst gesammelt und exakt bestimmt. Wir erkennen den Fleiß und die Liebe zur floristischen Arbeit, hervorragende Pflanzenkenntnisse und auch eine scharfe Beobachtungsgabe, was z.B. aus einem Fund bei Kaltenleutgeben hervorgeht, wo Berg auf dem Herbaretikett "Cephalanthera hybrida mihi" vermerkte, den Namen später indessen nicht veröffentlichte. Das Material stammt vor allem aus Österreich und dem früheren Jugoslawien, wenige Belege wurden in Deutschland (Bayern, Rügen) gesammelt. Das in der Notiz von 1944 (Anonymus 1944: 852) erwähnte Material aus Böhmen, Mähren und Polen konnte bisher nicht gefunden werden. Im folgenden wird eine Auswahl von Lokalitäten zitiert, an denen Berg gesammelt hat. Vorangestellt werden dabei die von Berg auf seinen Herbaretiketten selbst gewählten Namen der besammelten Regionen (in Klammern das Sammeljahr): "Flora von Niederösterreich" Kaltenleutgeben (1924), Schneeberg: Krummbachgraben (1924), Rax (1925), Lunzer Untersee (1925), Seetal bei Lunz (1925), Dürrenstein bei Lunz (1925), Wien, Schönbrunner Park, Prater (1925), Kalksburg (1926), Klosterneuburg (1926), Schönbichl bei Melk (1927), Hundsheimer-Berg bei Hainburg (1928). "Pontisches Florengebiet" Leitha-Gebirge (1926), Wilfleinsdorf bei Bruck a.d.L. (1926), Weiden am See (1926), Sumpfwiesen bei Golz (1926), Bisamberg (1926), Gänserndorf (1926), Nikolsburg (1927), Eisgrub (1927), Mannswörth (1928), Lobau bei Wien (1928). "Gebiet der Alpenländer" Schneealpe (1927), Matrei am Brenner (1927), Gschnitztal (1927), Kaiserbrunn (1928), Hohe Tauern (1928, leg L. Geitler). "Flora der Steiermark" Kapellen (1924), Judendorf bei Graz (1926). "Gebiet des Böhmischen Massivs" Spitz in der Wachau (1928), am Jauerling bei Oberndorf (1928), bei Wiesmannsreith am Jauerling (1928). "Adriatisches Florengebiet" Mosor Planina (1928), Split (1928), Sucurac (1928), Insel Lissa (1928), Insel Solta (1928), Omis (1928), Perkovic (1928), Trpanj (1928). "Flora von Istrien" Rovigno (1925), Opcine bei Triest (1925), Canfanaro (1925), Divaca (1925). "Flora von Bayern" Zilgendorf (1923), Itzufer bei Scherneck (1925), Banz (1925), Altenbanz (1925), Lichtenfels (1925), Mainufer bei Kösten (1925), Michelau (1925), Schney (1925), Trieb (1925). "Flora der Ostsee (Süd)" Rügen: Lauterbach (1921). Danksagung Für viele wertvolle Hinweise danke ich Herrn Univ.-Prof. Dr. K. Ehrendorfer (Wien), Herrn Prof. Dr. P. Hiepko (Berlin) und Herrn Dr. J. Lodka (Müncheberg) sehr herzlich. Ganz besonders danken möchte ich Frau Marianne von Berg (Hamburg), Witwe Heinz von Bergs, und Heidrun Kühn-von Berg (Hamburg), Tochter Heinz von Bergs, für die Durchsicht des gesamten Manuskripts und für wichtige Ergänzungen. Zitierte Literatur Anonymus 1944: Bericht über den Botanischen Garten und das Botanische Museum zu Berlin-Dahlem vom 1. April 1943 bis 31. März 1944. - Notizbl. Bot. Gart. Berlin-Dahlem 15: 845-861. Bässler, M. 1970: Das Herbarium des Bereiches Botanik und Arboretum des Museums für Naturkunde an der Humboldt-Universität zu Berlin. - Wiss. Z. Humboldt-Univ. Berlin, Math.-Naturwiss. Reihe 19: 295-299. Berg, [K.] H. von 1929: Zur Morphologie und Anatomie des Keimverzuges bei Veratrum nigrum L. Mit Bemerkungen über Keimverzug bei Streptopus amplexifolius DC. und Tricyrtis macropoda Miq. - Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde an der hohen philosophischen Fakultät der Alma Mater Rudolphina zu Wien. – Wien. — 1931a: Über zytologische Beobachtungen an Aegilops triuncialis x Secale cereale. - Anz. Akad. Wiss. Wien, Math.-Naturwiss. Kl. 68(22): 225-226. — 1931b: Ein Bastard mit vier vollständigen, haploiden Artgenomen. - Anz. Akad. Wiss. Wien, Math.-Naturwiss. Kl. 68(22): 226-228. — 1932: Autosyndese in Aegilops triuncialis L. x Secale cereale L. - Z. Pflanzenzücht. 17: 55-69. — 1933: Einige Beobachtungen zur Cytologie der Gattungen Polygonatum und Convallaria. - Anz. Akad. Wiss. Wien, Math.-Naturwiss. Kl. 70(24): 276-277. — 1934: Cytologische Untersuchungen an Triticum turgidovillosum und seinen Eltern (Weitere Studien am fertilen konstanten Artbastard Triticum turgidovillosum und seinen Verwandten) II. - Z. Indukt. Abstammungs- Vererbungsl. 67: 342-373. — 1935a: Cytologische Untersuchungen an den Bastarden des Triticum turgidovillosum und an einer F1 Triticum turgidum x villosum (Weitere Studien am fertilen konstanten Artbastard Triticum turgidovillosum und seinen Verwandten) III. - Z. Indukt. Abstammungs- Vererbungsl. 68: 94-126. — 1935b: Über Polyploidie in der Gattung Beta und bei den Kulturpflanzen überhaupt. - Züchter 7: 16-19. — 1936: Autotetraploidie bei Hordeum bulbosum L. - Züchter 8: 151-158. — 1937: Beitrag zur Genomanalyse in der Getreidegruppe. - Züchter 9: 157- 163. — 1938: Untersuchungen über die Cytogenetik amphidiploider Weizen- Roggen-Bastarde. - Züchter 10: 226-238. — 1938–41: Chromosom, Chromosomensatz, Polyploidie, p. 150-177. – In: Roemer, Th. & Rudorf, W. (eds.), Handbuch der Pflanzenzüchtung 1. – Berlin. Hiepko P. 1979: Das Schicksal des "Außerrheinischen Herbariums" des Naturhistorischen Vereins für die Preußischen Rheinlande und Westfalen. - Willdenowia 9: 207-208. Janchen, E. 1933: Richard Wettstein. Sein Leben und Wirken. - Österr. Bot. Z. 82: 1-195, 346-347. Rudorf, W. 1936, 1938: Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung Müncheberg (Mark) [Institutsberichte]. - Berlin. Anschrift des Verfassers: Dr. M. Bässler, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universität Berlin, Königin-Luise-Straße 6-8, D-14195 Berlin.