De Herbario Berolinensi Notulae No. 5 H. WALTER LACK Das Herbar C. Koch Summary Lack, H. W. 1978: The Herbarium of C. Koch. Willdenowia 8 (2): 431-438. In German. A report is given on the contents, extent and importance of the remaining material of C. Koch's herbarium, which was recently rediscovered in the Botanical Museum Berlin-Dahlem. Zusammenfassung Lack, H. W. 1978: Das Herbar C. Koch. Willdenowia 8 (2): 431- 438. Mit englischer Zusammenfassung. Über Inhalt, Umfang und Bedeutung von kürzlich im Botanischen Museum Berlin-Dahlem wiederaufgefundenen Restbeständen des Herbars C. Koch wird berichtet. Nach dem Tode des Berliner Botanikers Prof. Dr. Karl Heinrich Emil Koch, auch Karl oder Carolus Koch, daher die verbreitete Abkürzung C. Koch (geb. 6. VI. 1809 bei Weimar, gest. 25. V. 1879 in Berlin; Porträt, Handschrift und wichtige biographische Daten bei Lack 1977) wurde dessen umfangreiches Privatherbar geteilt und gelangte an die Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin und an die Gärtnerlehranstalt in Wildpark bei Potsdam. Wenig später wurden die Sammlungen in der Landwirtschaftlichen Hochschule wieder vereinigt und 1913 vom damaligen Kgl. Botanischen Museum in Berlin erworben (Urban 1916). Durch Übersiedlungen, unsachgemäße Verpackung und Insektenfraß hatten die Bestände erheblichen Schaden genommen, andererseits aber war das Herbar nach C. Kochs Tod noch durch einige kleinere Sammlungen erweitert worden. In den Jahren 1913-1916 wurde das Herbar C. Koch durch E. Ulbrich bearbeitet, wobei das mehr als 600 Bündel umfassende Material gesichtet und den fast durchwegs unmontierten Belegen gedruckte, mit der Aufschrift 'Museum Botanicum Berolinense. Herbarium Karl Koch' versehene Etiketten beigegeben wurden. In wenigen Fällen fertigte Ulbrich (in der Mehrzahl unvollständige) Abschriften der Originaletiketten an, nur sporadisch wurden Typen gekennzeichnet. Nach Abschluß der Bearbeitung wurde ein Bericht (Ulbrich 1917) über Zustand und Inhalt des Herbars C. Koch veröffentlicht, aus dem unter anderem hervorgeht, daß zahlreiche, besonders wertvolle Belege (vor allem Typen zu C. Kochs Arbeiten über die Flora des Orients) bei Übernahme durch das Kgl. Botanische Museum nicht oder nur mehr als Fragmente erhalten und viele Exemplare durch schlechte Behandlung wertlos geworden waren. Im Anschluß an die Bearbeitung durch E. Ulbrich wurde der Großteil der Sammlung in das Berliner Generalherbar aufgenommen und Dubletten zur Verteilung vorbereitet (ob dieses Material tatsächlich versandt wurde, ist jedoch unbekannt). Durch die Brandkatastrophe des Jahres 1943 ging ein beträchtlicher Teil des Berliner Hauptherbars und damit auch ein großer Teil des Herbars C. Koch zugrunde. Unter den geretteten Beständen des Generalherbars finden sich jedoch auch einzelne Belege, die teils aus der Erwerbung von 1913 stammen, teils aber bereits früher von C. Koch an das damalige Kgl. Botanische Museum gegeben worden waren (Th. Koch 1879, Urban 1881) – so etwa die Typus-Exemplare von Erysimum leptopetalum C. Koch (Taf. 2) und von Heliconia dasyantha C. Koch et Bouché. Zusätzlich fand Prof. G. Wagenitz in Speicherräumen mehrere Bündel unmontierter Restbestände, die nach einer ersten Durchsicht in den sechziger Jahren nun bearbeitet und ins Generalherbar aufgenommen wurden; leider stellte sich dabei heraus, daß mehrere besonders wertvolle Teile völlig unzureichend beschriftet und in einigen Fällen Etiketten durcheinander geraten waren. Zudem war mehrmals die Zuordnung der ursprünglichen Etiketten nur durch Handschriftenvergleich möglich (C. L. Blume: Burdet 1973; C. Koch: Burdet 1976; C. A. Meyer: Lipšic & Vasil'cenko 1968). Die genannten, ausschließlich Phanerogamen beinhaltenden Restbestände des Herbars C. Koch umfassen folgende Sammlungen: Den größten Teil nimmt d e n d r o l o g i s c h e s M a t e r i a l vornehmlich europäischer Herkunft ein, insbesondere Belege zu Kochs Dendrologie (Koch 1869-72) – vor allem Betula, Fraxinus, Lonicera, Quercus, Ribes, Ulmus; die Exemplare stammen zum überwiegenden Teil aus Gärten, Baumschulen, sowie Parkanlagen und wurden hauptsächlich von W. Hentze und C. Koch gesammelt. Unter dem dendrologischen Material finden sich auch einzelne, fragmentarisch beschriftete und wohl als Typusexemplare anzusprechende Belege – z.B. von Berberis sulcata C. Koch et Bouché, Juniperus oophora Kze., Ribes vulgare C. Koch, Podocarpus dulcamara Seemann, häufig mit dem Vermerk 'kult.' versehen. Mengenmäßig an zweiter Stelle steht in botanischen Gärten k u l t i v i e r t e s M a t e r i a l k r a u t i g e r P f l a n z e n, wobei vor allem der Berliner Botanische Garten vertreten ist, vereinzelt finden sich auch Belege von den Gärten in Kew, Landshut, Leipzig, Jena, Potsdam und Würzburg. Auch hier finden sich einige lediglich mit einer Bestimmung in C. Kochs Schrift und einer gedruckten Etikette 'Species rariores in Horto botanico berolinensi cultae' versehene Exemplare, die wahrscheinlich als Typus-Belege anzusehen sind – es sind dies unter anderem Bögen von Begonia poecila C. Koch, Poppya fabiana C. Koch und Ruellia subacaulis C. Koch et Bouché. Dem Umfang nach an dritter Stelle stehen Reste des O r i e n t h e r b a r s, das ursprünglich neben den zahlreichen, während C. Kochs bedeutenden Reisen in den Jahren 183-1838 und 1843-1844 gesammelten Belegen auch Material von H. W. Abich, J. Brant, F. A. R. Kolenati, Konradi, Rögner, v. Schmidt, Struve, Thirke und v. Wilhelms enthalten hatte (Edmondson & Lack 1977). Die Beschriftung der Bestände ist meist unbefriedigend, da Angaben über Sammler fehlen und eine Zuordnung oft nur mit Hilfe der von Ulbrich beigegebenen Etiketten und C. Kochs Handschrift möglich ist. Bei den von C. Koch im Orient gesammelten und besonders wertvollen, da kaum als Dubletten in anderen Herbarien vertretenen Belegen sind drei Etikettentypen zu unterscheiden: – Feldetiketten, schmale längliche Papierstreifen, die in C. Kochs Schrift das genaue Funddatum, den genauen Fundort, die Sammelnummer und manchmal eine erste Bestimmung tragen (Taf. 1, A). – Bestimmungsetiketten, ebenfalls in C. Kochs Schrift, welche die genaue Bestimmung (manchmal zusammen mit einer Beschreibung) und ungenaue Angaben über Fundort und Funddatum enthalten (Taf. 1, B), etwa 'Mingrelia 1837'. – Ulbrichs gedruckte 'Museum Botanicum Berolinense. Herbarium Karl Koch'-Etiketten, in Ulbrichs Schrift ausgefüllt und eine stark gekürzte Abschrift der Angaben auf den Feld- und Bestimmungsetiketten tragend, häufig jedoch auch unausgefüllt (Taf. 1, C). Nur selten sind alle drei Etikettentypen nebeneinander auf einem Bogen vorhanden, häufig fehlen Bestimmungsetiketten, oder es ist nur Ulbrichs Abschrift vorhanden. Von Thirke gesammelte Belege sind an arabischen Ziffern in der linken oberen Ecke der Bestimmungsetiketten zu erkennen (Taf. 2, A); die Sammelnummern, die Herkunft der Belege und die geographische Lage der Fundorte sind an anderer Stelle (Edmondson & Lack 1977, Lack 1978) besprochen worden, wo sich auch eine listenmäßige Zusammenstellung der im Berliner Herbar vorhandenen Typusexemplare von C. Kochs Orientsammlungen befindet. Zwei weitere Sammlungen sind besonders erwähnenswert: – eine Anzahl von Exemplaren aus dem Leidener Herbar (Etikettenaufdruck 'Herb. Lugd. Batav.' Taf. 3), die von C. L. B l u m e beschriftet sind und wertvolles Material aus Indonesien und Japan (vor allem Myrtaceae, Oleaceae und Podocarpaceae) umfassen. Da Fundortsangaben auf den ursprünglichen Etiketten meist fehlen oder später von unbekannter Hand nachgetragen wurden, sind diese wertvollen Exemplare nur als authentisches Material anzusehen. – eine Sammlung Pflanzen, die C. A. Meyer an C. Koch geschickt hatte und die Material zu Ledebours F l o r a A l t a i c a beinhaltet. Leider sind auch hier die Exemplare unzureichend etikettiert – meist sind nur Bestimmung und die betreffende Literaturstelle in der Flora Altaica angeführt. Da C. A. Meyer Mitarbeiter an der Flora Altaica war, ist es wahrscheinlich, daß die genannte Sammlung ebenfalls authentisches Material, und zwar zu den in Ledebours Flora Altaica und in den gleichzeitig erscheinenden Icones Plantarum Novarum beschriebenen Taxa enthält. Caryophyllaceae, Liliaceae, Leguminosae und Rosaceae sind unter dem authentischen Material mit jeweils mehreren Bögen vertreten, während von anderen Familien nur Einzelstücke (z.B. Zygophyllaceae: Zygophyllum macropterum C. A. Meyer ex Ledebour, Fl. Alt. 2: 102 (1830), Taf. 4) zu finden sind. Außerdem enthalten die nunmehr zugänglichen Restbestände des Herbars C. Koch kleinere Sammlungen von A. Blytt (nördliches Rußland). E. Braig (Istrien, Dalmatien), E. Fries (Skandinavien), F. F. Fronius (Rumänien), M. Gadd (Lappland), M. Gadd & A. Nylander (Lappland), C. A. Meyer (Sibirien, Aserbaidschan), Val De Lièvre (Trentino) und H. M. Willkomm (Spanien), sowie einzelne Belege von anderen Sammlern (darunter A. Lehmann und P. Sintenis mit einigen wenigen Typusexemplaren, so etwa Marcgravia sintenisii Urban, Jahrb. Königl. Bot. Gart. Berlin 4: 245 (1886). Porto Rico, prope Cayey in sylva primaeva montis Torito, 13. X. 1885, P. Sintenis 2222, Syntypus) sowie verschiedenes Material aus Mitteleuropa. Die besprochenen Restbestände des Herbars C. Koch umfassen insgesamt 20 Bündel. Literatur Burdet, H. M. 1973: Cartulae ad botanicorum graphicem. Candollea 27 (2): 307-340. – 1976: Cartulae ad botanicorum graphicem VIII. Candollea 31 (1): 127-158. Edmondson, J. R. & Lack, H. W. 1977: The Turkish and Caucasian Collections of C. Koch I. Turkey. – Notes Roy. Bot. Gard. Edinburgh 35 (3): 321-344. Koch, K. 1869-72: Dendrologie 1 (1869), 2 (1872). Erlangen. Koch, TH. 1879: Den Freunden. Berlin. Lack, H. W. 1977: HI-IAPT Portraits of botanists no. 81. – Karl Heinrich Emil Koch. – Taxon 26 (4): 385-386. – 1978: The Turkish and Caucasian Collections of C. KOCH II. Caucasia. – Notes Roy. Bot. Gard. Edinburgh 37 (1), im Druck. Lipšic, S. Ju. & Vasil'cenko, I. T. 1968: Central'nyj Gerbarij SSSR. Istoriceskij ocerk. Leningrad. Ulbrich, E. 1917: Das Herbarium Karl Koch. – Notizbl. Königl. Bot. Gart. Berlin-Dahlem 7 (62): 420-434. Urban, I. 1881: Geschichte des Königl. Botanischen Gartens und des Königl. Herbariums zu Berlin. Jahrb. Königl. Bot. Gart. Berlin 1: 1-164. – 1916: Geschichte des königlichen botanischen Museums zu Berlin-Dahlem (1815-1913) nebst Aufzählung seiner Sammlungen. Dresden. Anschrift des Verfassers: Dr. H. W. Lack, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universität Berlin, Königin-Luise-Straße 6- 8, 14195 Berlin.