Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

Baum des Jahres 1995 / Tree of the Year 1995

Die Ahorne
Der Spitz-Ahorn
- Acer platanoides L.

Der Spitz-Ahorn ist ein Baum des Tieflandes. Er besiedelt die meisten Teile Mitteleuropas, von den nordspanischen Gebirgen bis nach Süd-Skandinavien; meidet den atlantischen Westen; stößt nach Osten bis zum Ural, Kaukasus und Armenien vor; seine südliche Verbreitung geht durch Nord-Griechenland, Bulgarien, an der Nordküste des Schwarzen Meeres entlang.

Die Lebenskraft des Spitz-Ahornes, selbst unter den harten Bedingungen einer Großstadt, ist enorm. Er breitet sich spontan auf allen Standorten aus, die Bäume tragen können.

[Spitz-Ahorn] In Berlin dürfte er zur häufigsten Baumart geworden sein. Mannigfache Formen wurden in Gartenkultur ausgelesen, von denen heute besonders die als Straßenbaum geeigneten höchste Bedeutung haben.

Das Durchwurzelungsvermögen des Spitz-Ahorns ist bemerkenswert, wie Filz durchziehen feinste Wurzeln seinen Standraum. Glatt und glänzend sind die Blätter, pergamentartig, schädlingsfest; sie enthalten Milchsaft, eines seiner Erkennungszeichen.

Ein anderes kennen vor allem die Kinder: An einem gemeinsamen Stiel sitzen zwei Früchte mit einseitigem Flügel. Die den Samen enthaltenden Nüßchen sind flach und innen etwas klebrig. Aufgespalten werden sie auf die Nase gesetzt, und fertig ist der Kinderspaß ! Versuchen Sie es selbst einmal.

Der Spitz-Ahorn könnte ja Ihr Namensbaum sein, so wie für jene, die Löns, Linné, Lenné, Lienhardt, Klebs, Klebsch, Klons, Klews heißen.
[Text: R. Marquardt, Zeichnung: M. Rodewald]


Der Berg-Ahorn - Acer pseudoplatanus L.

Der Berg-Ahorn ist ein Baum des Alpenlandes. Er erträgt tiefe Wintertemperaturen und liebt im Sommer feuchte Kühle. Seine Ansprüche an den Wasser- und Humusgehalt des Bodens sind groß; stehende Nässe meidet er.

Die schönste Entwicklung erreicht der Bergahorn im Gebiet der nordalpinen Weidewirtschaft, von Savoyen bis zum Wiener Becken. Er geht mit den montanen Nadelwäldern bis an die Obergrenze der Waldstufe. Auf Almböden findet er sich als Zeuge früherer Bewaldung, geschont, um dem Vieh Schutz zu bieten. Dort erreicht er ein Alter bis zu 600 Jahren.

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Berg-Ahorns geht durch die Gebirge Europas, von Wales bis zur Weichsel; von Nord-Spanien, Sizilien, Italien, die Balkan- und Karpatenländer bis zum Schwarzen Meer; weiter durchs nördliche Kleinasien bis Armenien. Angepflanzt gedeiht der Berg-Ahorn noch weit außerhalb seines natürlichen Areals. In Nordamerika und Chile wurde er von Siedlern eingeführt und ist dort eingebürgert.

Als Straßenbaum tritt der Berg-Ahorn heute zurück; dort ist ihm die Platane überlegen. Blattform und Borkenbildung ähneln der Platane. Dies fand im wissenschaftlichen Namen A. pseudoplatanus seinen Ausdruck. Das unverwechselbare Merkmal des Berg-Ahorns sind die Endknospen der jungen Zweige: Grüngelbe Knospenschuppen sind mit braunschwarz gesäumten Rändern versehen.

Seine Volksnamen sind vielfältig. Aus Wortstämmen wie urle, érabel, ascher, orn, javor leiten sich viele Orts- und Personennamen ab: Ornau, Nassereit, Schierke, Schiers, Jauer, Javorina.
[Text: R. Marquardt]


Der Feld-Ahorn - Acer campestre L.

Der Feldahorn ist kein typischer Waldbaum. In lichten Laubwäldern tritt er mit anderen Arten gemischt auf. Er liebt hohe Sommerwärme, erträgt Trockenheit und Viehverbiß. Dies hat ihm einen Platz in den Feldhecken gesichert.

Die Verbreitung des Feld-Ahorns ist im wesentlichen eine europäische, doch im Südosten weit bis Mittelasien ausgreifend. Er erreicht noch Nord-Afrika, meidet den Norden Europas, geht über die Balkanländer, Kleinasien, den Nord-Iran bis Turkmenien.

Im besiedelten Bereich wird der Feld-Ahorn häufig als geschnittene Hecke angepflanzt. Er ist auch ein vielseitiges Landschaftsgehölz.

Nur wenige Gartenformen hat der Feld-Ahorn hervorgebracht. Eine Rolle spielen heute nur noch die Auslesen, die sich als Straßenbäume eignen, z.B. die Sorte ´Elsrijk´.

Das Holz des Feld-Ahorns ist fest, zäh und dauerhaft. Seine einstige Bedeutung als Werkholz ist dahin. Niemand braucht mehr Spazierstöcke, Pfeifenköpfe, Peitschen.

Die sich abzeichnende Waldzerstörung wird ihm neue Lebensräume öffnen. Wir werden ihn neu schätzen lernen. Im Südosten seines Verbreitungsgebietes gesellen sich ihm einige nah verwandte Arten bei. Diese sind Zeugen einer vor der Eiszeit weit reicheren Tertiärflora. Wir sollten sie in Kultur nehmen, damit ihr Erbgut nicht verloren geht.

Ortsnamen werden noch lange an seine frühere Bedeutung für die Menschen erinnern: Messel, Effeltrich, Affolterbach, Isérable.
[Text: R. Marquardt]

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