Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

Blume des Jahres 1996 / Flower of the Year 1996

Küchenschelle - Pulsatilla vulgaris

[Küchenschelle] Der Lebensraum der Echten Küchenschelle - oder auch Steppen-Kuhschelle - sind warme, trockene Magerwiesen, die beweidet oder nur einmal im Jahr gemäht werden. Der Bestand der Pflanze ist unmittelbar mit diesem immer seltener werdenden Landschaftstyp verknüpft: Ausbleibende Beweidung und Einstellen der Mahd hat die Verbuschung und Wiederbewaldung der Wiesen zur Folge. Unter den aufkommenden Gehölzen geht die sehr lichtbedürftige Küchenschelle zugrunde. Andere Magerstandorte werden durch Düngung und intensive Mahd so verändert, daß die Konkurrenz mit anderen Pflanzen zu einem Rückgang der Bestände führt. Mit der Wahl der Küchenschelle zur Blume des Jahres soll das Augenmerk auf die Erhaltung dieser pflegebedürftigen Magerstandorte gelenkt werden, die besonders in Norddeutschland stark im Rückgang begriffen sind.

Pulsatilla vulgaris gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Charakteristisch sind die sich erst nach der Blütezeit entfaltenden, stark zerschlitzten Laubblätter und die ebenfalls tief fiederspaltigen Hochblätter, die in Dreizahl wenig unterhalb der attraktiven Blüte stehen. Als Verdunstungsschutz sind Stiel, Blätter und Blütenblätter dicht mit feinen Haaren besetzt. Die sechs rot-violetten Blütenblätter umgeben die zahlreichen gelben Staubblätter und die ebenfalls in großer Zahl gebildeten Fruchtblätter. Besonders Bienen und Hummeln werden durch diese auffallenden, kontrastreichen Blüten angelockt. Auch nach der Blütezeit ist die Küchenschelle eine äußerst hübsche Pflanze: Der Griffel der Früchte (Nüßchen) verlängert sich zu einem federartigen Anhängsel, der die Ausbreitung der Samen durch den Wind ermöglicht. Treffen die Samen auf offenen Boden, so ermöglichen hygroskopische Bewegungen das Einbohren in das Erdreich.

Die Küchenschelle ist eine Gift- und Heilpflanze. Der Inhaltsstoff Anemorin führt zu Kreislauf- und Atemlähmungen, hat aber auch medizinische Bedeutung bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten und hormonellen Störungen.
[Text: Ch. Oberprieler, Zeichnung: M. Rodewald]

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