Der Lebensraum der Echten Küchenschelle - oder auch Steppen-Kuhschelle
- sind warme, trockene Magerwiesen, die beweidet oder nur einmal im Jahr gemäht
werden. Der Bestand der Pflanze ist unmittelbar mit diesem immer seltener
werdenden Landschaftstyp verknüpft: Ausbleibende Beweidung und Einstellen
der Mahd hat die Verbuschung und Wiederbewaldung der Wiesen zur Folge. Unter den
aufkommenden Gehölzen geht die sehr lichtbedürftige Küchenschelle
zugrunde. Andere Magerstandorte werden durch Düngung und intensive Mahd so
verändert, daß die Konkurrenz mit anderen Pflanzen zu einem Rückgang
der Bestände führt. Mit der Wahl der Küchenschelle zur Blume des
Jahres soll das Augenmerk auf die Erhaltung dieser pflegebedürftigen
Magerstandorte gelenkt werden, die besonders in Norddeutschland stark im Rückgang
begriffen sind.
Pulsatilla vulgaris gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse
(Ranunculaceae). Charakteristisch sind die sich erst nach der Blütezeit
entfaltenden, stark zerschlitzten Laubblätter und die ebenfalls tief
fiederspaltigen Hochblätter, die in Dreizahl wenig unterhalb der
attraktiven Blüte stehen. Als Verdunstungsschutz sind Stiel, Blätter
und Blütenblätter dicht mit feinen Haaren besetzt. Die sechs
rot-violetten Blütenblätter umgeben die zahlreichen gelben Staubblätter
und die ebenfalls in großer Zahl gebildeten Fruchtblätter. Besonders
Bienen und Hummeln werden durch diese auffallenden, kontrastreichen Blüten
angelockt. Auch nach der Blütezeit ist die Küchenschelle eine äußerst
hübsche Pflanze: Der Griffel der Früchte (Nüßchen) verlängert
sich zu einem federartigen Anhängsel, der die Ausbreitung der Samen durch
den Wind ermöglicht. Treffen die Samen auf offenen Boden, so ermöglichen
hygroskopische Bewegungen das Einbohren in das Erdreich.
Die Küchenschelle ist eine Gift- und Heilpflanze. Der
Inhaltsstoff Anemorin führt zu Kreislauf- und Atemlähmungen, hat aber
auch medizinische Bedeutung bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten
und hormonellen Störungen.
[Text: Ch. Oberprieler, Zeichnung: M.
Rodewald]