Titanenwurz blühte: 23.-25.06.2015 - Amorphophallus titanum - Größte Stinke-Blume der Welt aus Indonesien

Die Titanenwurz - Amorphophallus titanum Becc. (Araceae)

Titanenwurz geht in Blüte - Größte Stinke-Blume der Welt aus Indonesien

 

Hier geht es zum Zeitraffer!

Die größte Blume der Welt hat sich am 23.06.2015 Nachmittag im Botanischen Garten Berlin begonnen zu öffnen und sich im Laufe des Abends voll entfaltet. Die gigantische Blume der Titanenwurz (Amorphophallus titanum) ist eine der spektakulärsten Erscheinungen in der Pflanzenwelt und eine große Seltenheit. Das eigentliche Blütenspektakel dauerte nur drei Tage. Der Blütenstand maß am 23.06.2015 1,08 Meter von der Erdoberfläche bis zur Spitze. Der erste Blühtag ist aufgrund des intensiven Aasgeruchs am Spektakulärsten. Der Botanische Garten ist täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist bis 20.30 Uhr möglich. Das tropische Gewächs aus Indonesien war während der Blüte im Begoniengewächshaus (Haus B) zu bestaunen.

Aktuelle Bilder und nähere Informationen zur Pflanze finden Sie auf dieser Seite. Beeindruckende Zeitrafferfilme zeigen, was noch bevorsteht.

9. Januar 2015: Die Pflanze macht eine Ruhepause. Sie weist eine unterirdische Knolle auf, deren Gewicht regelmäßig beim Umtopfen der Pflanze im Ruhestadium gemessen wird. Beim letzten Umtopfen am 9.1.2015 wog die Knolle 17,13 kg und ist damit noch recht klein.

Bis Anfang Juni 2015: Die Pflanze befindet sich in einem speziellen, nicht öffentlich zugänglichen Anzuchtsgewächshaus. Ruhepause und Austrieb einer Knospe. Die Knospe ließ noch nicht erkennen, ob sie sich zu einem Laubblatt oder einem Blütenstand entwickelt.

9. Juni 2015 - 55 cm von der Erdoberfläche bis zur Spitze: Die äußeren Hüllblätter geben den Blick deutlich auf den Blütenstandskolben frei und die Spatha ist erkennbar. Die Pflanze wird in das Begonienhaus gebracht, damit das Blütenspektakel öffentlich verfolgt werden kann.

09.06.2015: Noch in der Anzucht ... 09.06.2015: ... und kurze Zeit später im Begonienhaus
   

10. Juni 2015 - 55 cm: Das Hochblatt (die Spatha) hat sich gegenüber des Vortages deutlich gestreckt.

Im Begonienhaus wird die Länge des Blütenstandes nun täglich gemessen, vormittags von der Erdoberfläche bis zur Spitze des Kolbens. Die Titanenwurz kommt aus den feuchten Tropen, braucht viel Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit. Das Begonienhaus wird daher jetzt höher geheizt (mind. 24 °C statt sonst 22°C) und für eine möglichst hohe Luftfeuchtigkeit gesorgt (um 80%).

10.06.2015: im Mittelbeet des Begonienhauses 10.06.2015: aus der Nähe immer interessanter
   
10.06.2015: der Blütenstandstiel und die Ansätze der drei Hüllblätter 10.06.2015: der Blütenstandskolben wirkt an der Spitze leicht feucht
   
 
10.06.2015  
   
11. Juni 2015: Das Hüllblatt (die Spatha) hat sich gegenüber des Vortages noch deutlicher gestreckt.
11.06.2015 11.06.2015
   
11.06.2015 11.06.2015
   

12. Juni 2015 - 65 cm

13. Juni 2015 - 72 cm

14. Juni 2015 - 77 cm

15. Juni 2015 - 82 cm am Vormittag und schon 86 cm am Nachmittag:

15.06.2015: Die Hüllblatter verwelken zusehends und geben den Blick auf das Hochblatt frei. 15.06.2015
   
15.06.2015: Der Blütenstandsstiel wird langsam deutlich unterhalb des Hochblattes. 15.06.2015: Das Hochblatt ist wie ein Rock in Falten gelegt.
   
 
15.06.2015  
15.06.2015: In der Nachmittagssonne, einer Diva im Scheinwerferlicht gleich 15.06.2015: In der Nachmittagssonne, einer Diva im Scheinwerferlicht gleich
   
16. Juni 2015 - 90 cm:
 
16.06.2015:  
   
16.06.2015: Die Hüllblatter verwelken zusehends weiter. 16.06.2015: Am oberen, inneren Saum des Hochblattes wird ein ganz leichter Rotton erkennbar.
   
16.06.2015 16.06.2015
   
16.06.2015: Das blühende Exemplar 16.06.2015: Das vegetative Exemplar. So ein Glück - selten kann man zwei Titanenwurz-Pflanzen direkt nebeneinander sehen, von denen die eine blüht und die andere ihr Blatt zeigt. Im Mittelbeet des Begonienhauses, also in direkter Nähe der jetzt blühenden Pflanze, ist eine Titanenwurz zu sehen, die ein Laubblatt zeigt. Somit lässt sich gleich vor Ort leicht nachvollziehen, wie die Pflanze im vegetativen Stadium aussieht. Und staunen, denn es ist ja wirklich nur EIN Blatt, wirkt aber wie ein kleiner Baum.
   
17. Juni 2015 - 94 cm
17.06.2015 17.06.2015
   
17.06.2015: Die Hüllblätter welken immer deutlicher. 17.06.2015: Der Blütenstandsstiel wird immer deutlicher und länger unterhalb des Hochblattes. Er ist dunkel grün mit hellen Flecken. Übrigens: Die weißen Flecken täuschen Flechtenbewuchs vor, die in der Heimat der Titanenwurz typischerweise auf Baumstämmen wachsen. Auch auf den Hüllblättern und - beim Laubblatt des in der Nähe stehenden anderen Exemplares - ist dieses sehr gut zu sehen.
   
17.06.2015: Am oberen, inneren Saum des Hochblattes wird der Rotton deutlicher erkennbar. 17.06.2015: Am oberen, inneren Saum des Hochblattes wird der Rotton deutlicher erkennbar.
   
 
17.06.2015: In der Erde schlummert die Wurz, die Knolle, aus der die Pflanze jetzt die Energie für dieses Blühereignis zehrt. Und Besucherinnen und Besucher fragen, ob die Titanenwurz denn schon stinkt. Nein, erst am ersten Blühtag bzw. der ersten Blühnacht. Ein Erlebnis! Nicht verpassen!
   
18. Juni 2015 - 98 cm
Die Titanenwurz wurde um einige Zentimeter im Begonienhaus verschoben, da von oben auf die Knolle Kondenswasser tropfte. Ein Amselpaar ist im Begonienhaus zu Besuch, fliegt um die Titanenwurz, die Monstera, den Philodendron, die Passionsblumen und die vielen weiteren schönen, tropischen Gewächse und singt.
18.06.2015: Die Hüllblätter sind nun fast vollends verwelkt.

18.06.2015: Das Hochblatt wirkt etwas aufgebläht. Entfernt erinnert es an Chinakohl, schön die viele Farbnuancen von Grün und die Faltung.

   
18.06.2015: Der Kolben erinnert an Krötenhaut. Immer deutlicher wird, warum der wissenschaftliche Name dieser Pflanze Amorphophallus ist (ámorphos  = griechisch für ungestaltet, formlos und phallós  = griechische Benennung des männlichen Gliedes). 18.06.2015
   
18.06.2015: Am oberen, inneren Saum des Hochblattes wird der Rotton deutlicher erkennbar. 18.06.2015: Der Blütenstandsstiel wird immer deutlicher und länger unterhalb des Hochblattes.
   
 
18.06.2015: Eine kleine Ausstellung vor Ort erweitert das Informationsangebot rund um diese spannende Pflanze.  
   
19. Juni 2015 - 98 cm
Genau wie gestern, die Titanenwurz hat sich also seit gestern nicht mehr in die Länge gestreckt.
   
19.06.2015 19.06.2015: Auf der "Rückseite" des Hochblattes wird die Naht, der Einschnitt, erkennbar. 
   
 
19.06.2015 - Ja, wann ist es soweit? Lange wird es wohl nicht mehr dauern!  
   
20.06.2015 - 1,03 m: Sie ist noch mal gewachsen. Wer noch nicht auf die Live-Webcam geschaut hat, sollte das jetzt auf jeden Fall mal machen. Im Zeitraum von 10 Uhr bis 23 Uhr ist damit die Titanenwurz beim Wachsen und Blühen zu beobachten. Hier geht es zu den Live-Bildern
   
21.06.2015 - 1,06 m: Noch mal drei Zentimeter gewachsen.
   
22.06.2015 - 1,07 m:
   
22.06.2015 22.06.2015: Mit der Webcam im Blick
   
22.06.2015: Der Blütenstandsstiel ist noch länger. Die Hüllblätter nun vollständig verwelkt und vom oberen Teil der Blütenstandsknospe gelöst. 22.06.2015: Mit der Webcam im Blick
   
22.06.2015: Auf der "Rückseite" des Hochblattes wird die Naht, der Einschnitt, immer deutlicher als rote Linie erkennbar (hier rechts im Bild). 22.06.2015 - 22.22h: Mit der Webcam kann man der Titanenwurz sogar im nächtlichen Begonienhaus noch zuschauen.
   
23.06.2015 - 1,08 m: Noch ein Zentimeter gewachsen.
Die größte Blume der Welt hat sich heute Nachmittag im Botanischen Garten Berlin begonnen zu öffnen und wird sich im Laufe des Nachmittags voll entfalten. Der erste Blühtag (heute) ist aufgrund des intensiven Aasgeruchs am Spektakulärsten. Der Botanische Garten ist täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist bis 20.30 Uhr möglich.
   
23.06.2015 23.06.2015
   
23.06.2015 23.06.2015: So oft schon im Hintergrund auf den Fotos der Titanenwurz zu sehen, dass man doch einmal genauer hinsehen kann. Es ist die schöne Blüte der Amazonaslilie (Eucharis amazonica), ein Vertreter der Amaryllisgewächse aus Ecuador und Peru. 
   
23.06.2015: Wer genau hinschaut, kann entdecken, dass die oberen Zipfel des Hochblattes bereits verwelken. Nun wird es aber Zeit zum Aufblühen, bevor die Pracht verwelkt! Das war kurz vor 14 Uhr! Der Tag war regnerisch, keine Sonne - niemand hätte noch gedacht, dass sich die Titanenwurz heute noch öffnet. Doch es kam so! Lag daran vielleicht die "Quasi-Blühhilfe für die Titanenwurz", die sich Hans-Georg Flack mit Freunden ausdachte? Sie spielten heute morgen vor der Titanenwurz auf der Muschel. Ist doch mal was!
   
23.06.2015 - 15:33 Uhr - Webcam: Die Entdeckung, das Hochblatt löste sich leicht vom Kolben. Dann ging es ganz schnell. 23.06.2015 - 16:06 Uhr - Webcam: Absolut sicher, heute öffnet sie sich.
   
23.06.2015 - 16:39 Uhr - Webcam 23.06.2015 - 17:06 Uhr - Webcam
   
 
23.06.2015 - 17:53 Uhr - Webcam  
   
23.06.2015 - 18:34 Uhr 23.06.2015: Das Hochblatt öffnet sich langsam immer weiter. Wellenartig wird Aasgeruch wahrnehmbar. Erst ganz wenig, zuerst faulig, dann immer stärker der Leichenduft. Tote Katze im Beet?
   
23.06.2015: Blick in die Titanenwurz 23.06.2015 - 18:45 Uhr
   
23.06.2015: Mit einer Wärmebildkamera sieht die Titanenwurz besonders spannend aus. Es ist deutlich zu sehen, dass der Kolben um mehrere Grad Celsius wärmer ist als das umgebende Hochblatt, aber auch die anderen umgebenden Pflanzen und die Luft. Der wärmste Punkt ist die Spitze des Kolbens. 23.06.2015: Die Titanenwurz heizt kräftig ein, damit der Aasgeruch noch besser verströmt wird. Ein richtig heißer Stinkbolzen! Das funktioniert ähnlich, wie ein Teelicht, welches unter eine Aromalampe entzündet wird. Der Kolben leitet wie ein Schornstein den Duft ab.
   
23.06.2015: Je später der Abend, desto intensiver wurde der Gestank... 23.06.2015: ...und die Temperatur des Kolbens.
   
23.06.2015: Biophysiker Professor Ingolf Lamprecht untersucht die Titanenwurz wissenschaftlich mit der Wärmebildkamera. Die Besucher staunen über den anderen Blick auf die Pflanze. 23.06.2015
   
23.06.2015 - 21 Uhr: Das Hochblatt ist voll geöffnet. 23.06.2015: Blick in das Hochblatt
   
23.06.2015: Titanenwurz im Fokus der Wärmebildkamera. 23.06.2015 - 21:17 Uhr - Webcam: Und später am Abend wurde die Titanenwurz mit einer Führung besucht, der Gestank war enorm. Schon morgen wird sie nicht mehr intensiv duften.
   
24.06.2015: Der zweite Blühtag  
   
24.06.2015: Das Hochblatt ist schön geöffnet, der Blattrand wölbt sich nach außen und gibt den Blick auf die gefärbte Innenseite, das "geronnene Blut", frei. 24.06.2015: Deutlich weniger als gestern Abend, aber noch etwas ist Leichengeruch im Gewächshaus spürbar.
   
24.06.2015: Der Kolben zeigt markante Dellen, ein ästhetischer Alterungsprozess. 24.06.2015: Einfach schön!
   
24.06.2015 - 13.30 Uhr 24.06.2015 - 17:20 Uhr: Nur vier Stunden später, das vorher leuchtende frische Rot ist nun tief dunkel, erinnert immer mehr an geronnenes Blut. Und das schöne Welken geht langsam weiter. Leichte Wellen von Aasgeruch sind wahrnehmbar. Kein Vergleich zu gestern, aber schon eklig.
   
 
24.06.2015: Ja, die Titanenwurz passt auch quer in den Fotoapparat und das Handy. Zu jeder Sekunde des Blühvorgangs einfach toll, die Wachstumsveränderungen dieser Pflanze zum Mitschauen  
   
25.06.2015: Der dritte Blühtag
   
25.06.2015: Im Laufe des Tages schloss sich das Hochblatt immer mehr. 25.06.2015: Noch ist er aufrecht, der Kolben.
   
25.06.2015: Schönes Welken! 25.06.2015: Gestank ist nicht mehr zu merken.
   
 
25.06.2015  
   
26.06.2015: Der Tag danach
   
26.06.2015: Immer noch aufrecht wie eine Kerze steht der Kolben. 26.06.2015: Schön gewelktes Hochblatt.
   
29.06.2015
Die Luft ist raus - so sieht die Titanenwurz aus.
   
29.06.2015: Die Pracht ist dahin. 29.06.2015: Der Kolben hängt.
   
29.06.2015: Schimmel macht sich breit. 29.06.2015
   
 
29.06.2015  
   
30.06.2015:
Der Ausflug der Titanenwurz zur Blütezeit in das Schaugewächshaus ist beendet. Die Pflanze wurde wieder in ein nicht-öffentliches Anzuchthaus gebracht, welches ihr idealere Wachstumsbedingungen bietet, als das sanierungsbedürftige Begonienhaus. Das Begonienhaus wurde während der Blütezeit deutlich wärmer geheizt (sonst 22 Grad), diese Energieinvestition bei schlechter Bausubstanz kann nicht weiter aufgewendet werden. Somit bleiben die tollen Bilder auf dieser Webseite, am Zeitrafferfilm wird gearbeitet und die Titanenwurz welkt weiter und wird eine Ruhepause einlegen. Wenn sie sich nicht vollends bei der Blühhochleistung verausgabt hat, wird sie uns hoffentlich mal wieder mit einem Blütenstand überraschen.

Wir sind gespannt, wie die Titanenwurz weiter wächst! Wer den Blühbeginn (das nächste Mal) nicht verpassen möchte, sollte sich schnell für den Newsletter anmelden. Hier geht es zur Anmeldung


Was wird während der Blütezeit zu sehen und zu riechen sein?
Das eigentliche Blütenspektakel dauert nur drei Tage: Die Pflanze ist ein Nachtblüher und im Laufe eines Nachmittags wird sich ein großes Hochblatt (Spatha) öffnen, welches den großen Kolben (Spadix), einem hochfliegenden Rock gleichend, umgibt. Die Titanenwurz gibt besonders am ersten Blühtag bzw. der ersten Blühnacht einen intensiven Aasgeruch ab. Im Laufe des zweiten Blühtages wird sich das Hochblatt ganz langsam schließen. Im Laufe des dritten Tages ist das botanische Schauspiel vorüber: Der Blütenstand beginnt zu welken und allmählich in sich zusammenzufallen.

Genaue Voraussage der Blütenöffnung
Die genaue Vorhersage, wann sich der Blütenstand entfaltet und die Blüten öffnen, ist sehr schwierig und meist erst am Morgen oder Mittag des Blühtages möglich. Gärtner und Wissenschaftler des Botanischen Gartens Berlin nehmen an, dass sich der attraktive Blütenstand im Verlauf nächster Woche öffnen wird. Da die Titanenwurz in dieser Wachstumsphase sehr empfindlich ist, bleibt es bis zur letzten Minute ungewiss, ob sich der Blütenstand wirklich öffnet. Es wird also für Botaniker, Gärtner und Besucher sehr spannend.

Übler Geruch nach Aas
Mittels Aasgeruch lockt die Titanenwurz in der Natur Fliegen durch ein Täuschungsmanöver in den Blütenstand, die für ihre Eiablage einen verwesenden Tierkadaver suchen. Im Blütenstand der Titanenwurz finden die Fliegen keinen geeigneten Brutplatz – aber sie bestäuben bei ihrem Besuch die weiblichen Blüten, die nur in der ersten Nacht Pollen aufnehmen können. Erst in der zweiten Nacht öffnen sich die männlichen Blüten und geben ihren Pollen ab – eine perfekte Strategie, um Selbstbestäubung zu verhindern. Damit der Geruchslockstoff besonders gut verströmt, erhöht die Pflanze die Temperatur im Kolben gegenüber der Umgebung und der Blütenstand gleicht einer Geruchsfackel. Während der ersten Nacht ist der Geruch besonders intensiv, danach deutlich geringer.

Riesenblume aus Indonesien
Die Titanenwurz, Amorphophallus titanum, ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Aronstabgewächse. Sie bildet eine unterirdische Knolle aus, die über 100 kg Gewicht erreichen kann. Erst nach mehreren Jahren kann aus der Knolle ein Blütenstand mit einer Größe von bis zu drei Metern hervorgehen. Nach dem Guinness Buch der Rekorde ist es die größte Blume der Welt (Rekord bei 3,10 Meter, Winnipesaukee Orchids in Gilford, New Hampshire, USA, 2010). Die Pflanze wurde in Sumatra (Indonesien) vom italienischen Botaniker Odoardo Beccari 1878 entdeckt. Sie ist in der Natur stark gefährdet, da ihr Lebensraum, der Regenwald, zerstört wird.

Schwierige Kultur
Die Pflanze, die jetzt in Berlin einen Blütenstand hervorbringt, stammt aus einer Nachzucht des Palmengartens Frankfurt von 2003 und geht auf eine am 11.5.1992 in Indonesien, Sumatra, in der Nähe von Padang gesammelte Wildherkunft zurück. Sie weist eine unterirdische Knolle auf, deren Gewicht regelmäßig beim Umtopfen der Pflanze im Ruhestadium gemessen wird. Beim letzten Umtopfen am 9.1.2015 wog die Knolle knapp über 17 kg und ist damit noch recht klein – die aktuelle Entwicklung eines Blütenstandes ist also umso überraschender. Aufgrund des geringen Gewichts der Knolle wird er allerdings auch vergleichsweise klein ausfallen, die Wissenschaftler des Botanischen Gartens erwarten eine Blütenstandshöhe von etwa anderthalb Metern. Die Kultur der Titanenwurz ist sehr schwierig und eine Blüte somit ausgesprochen bemerkenswert. Im April 2009 und Mai 2011 bildete ein anderes Exemplar erfolgreich einen Blütenstand aus und wurde von zahlreichen Besuchern im Botanischen Garten Berlin bestaunt. Eine Dokumentation der Blühereignisse 2009 und 2011 finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Was wird nach der Blütezeit zu sehen sein?
Die Pflanze entwickelt nur ein einziges großes Laubblatt, welches jedoch mehrere Meter Höhe erreichen kann und einem kleinen Baum ähnelt. Nach bis zu 24 Monaten wird das Blatt eingezogen und die Knolle macht eine Ruhepause, bevor sie erneut ein Laubblatt oder nach mehreren Jahren auch einen neuen Blütenstand austreibt. Sofern der Blütenstand unter Kulturbedingungen nicht bestäubt wurde, lebt die Pflanze weiter. Werden jedoch nach künstlicher Bestäubung orangerote Beerenfrüchte ausgebildet (Reife erst nach ca. 8 Monaten), sterben die Pflanzen danach häufig ab.

Große Blume und kleine Blüte
Biologisch betrachtet handelt es sich bei der Titanenwurz um „die größte Blume der Welt“ und nicht um „die größte Blüte der Welt“. Die Blüten der Titanenwurz sind selber recht klein, doch sind mehrere hundert männliche und weibliche Blüten in einem großen kolbenförmigen Blütenstand vereint. Dieser Blütenstand wird insgesamt als „Blume“ bezeichnet, da er bestäubungsbiologisch eine Einheit bildet und wie eine einzige, riesige Blüte funktioniert.

 


 

So war es im Jahre 2011! Wer es nicht erwarten kann bis zur Blütenöffnung, kann sich ja schon mal ansehen, wie schön das Blütenspektakel im Jahr 2011 war:

Die größte Blume der Welt blühte vom 14. Mai 2011 (Samstag) im Botanischen Garten Berlin an. Die gigantische Blume der Titanenwurz (Amorphophallus titanum) ist eine der spektakulärsten Erscheinungen in der Pflanzenwelt und eine große Seltenheit. Das eigentliche Blütenspektakel dauerte nur drei Tage (14. bis 16. Mai 2011). Das tropische Gewächs aus Indonesien war auch nach Blütezeit noch lange im Großen Tropenhaus zu bestaunen, dann im Anzuchtbereich hinter den Kulissen und ging leider 2014 ein.

Aktuelle Bilder finden Sie hier. Nähere Informationen zur Pflanze finden Sie weiter unten auf dieser Seite.


Zum Zeitraffer: 1 + 2. Blütetag >>> (14. + 15.05.2011)
Zum Zeitraffer: 3. Blütetag >>> (16.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer: 2. Blütetag >>> (15.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer: 1. Blütetag >>>(Flash) (14.05.2011, ca. 9 Uhr bis 20.20 Uhr)
Zum Zeitraffer: 1. Blütetag >>>(kein / without Flash) (14.05.2011, ca. 9 Uhr bis 20.20 Uhr)
Zum Zeitraffer >>> (13.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer >>> (12.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer >>> (11.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer >>> (10.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer >>> (09.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer >>> (08.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer >>> (07.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)
Zum Zeitraffer >>> (06.05.2011, ca. 6 Uhr bis 20 Uhr)

 
 
Webcam  
Webcam, 5.5.2011, 13 Uhr 35. Webcam, 8.5.2011, 15 Uhr 30.
   
 
Webcam, 14.5.2011, 15 Uhr.  

Bis zum 26. April 2011: Die Knospe ließ noch nicht erkennen, ob sie sich zu einem Laubblatt oder einem Blütenstand entwickelt.

28. April 2011 - 68 cm: Die äußeren Hüllblätter fingen gerade an sich an der Spitze zu öffnen. Ein Blütenstandskolben wird deutlich länger. Die Pflanze wird in das Große Tropenhaus gebracht, damit das Blütenspektakel öffentlich verfolgt werden kann. Vorher stand die Pflanze in einem speziellen, nicht zugänglichen Anzuchtsgewächshaus.

29. April 2011 - 73 cm.
 
02. Mai 2011 - 95 cm, kurze Zeit später 97 cm: Die Pflanze hat den Ortswechsel hoffentlich gut verkraftet. Der Kolben zeigt ein deutlichen Längenzuwachs.
   
02.05.2011 02.05.2011
02.05.2011 02.05.2011 - Das längste dunkelgrüne Hüllblatt ist noch länger als das hellgrüne Hüllblatt
 
03. Mai 2011 - 1,05 Meter: Der Umfang des Blütenstandes an der dicksten Stelle misst 75 Zentimeter.
03.05.2011  
03.05.2011 03.05.2011
   
04. Mai 2011 - 1,15 Meter:
Am Morgen um halb acht misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze 1,15 Meter. Nachmittags um 15.15 Uhr ist er bereits auf 1,19 Meter gewachsen. Der Umfang beträgt 86 cm.
04.05.2011 04.05.2011 - Das längste dunkelgrüne Hüllblatt ist jetzt kürzer als das hellgrüne Hüllblatt.  Die dunkelgrünen, gefleckten Hüllblätter lösen sich ganz leicht an der Spitze und welken.
   
   

05. Mai 2011 - 1,26 Meter:

 
05.05.2011 - Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze 1,26 Meter. Der Umfang beträgt 86 cm. 05.05.2011 - 11 Zentimeter an einem Tag.
05.05.2011 - Langsam wird ein Blütenstandsstiel sichtbar, die grünen Hüllblätter welken 05.05.2011
05.05.2011 05.05.2011 - Die Spitze des Kolbens sieht feucht aus.

06. Mai 2011 - 1,40 Meter:

Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze 1,40 Meter. Der Umfang beträgt 93 cm. Jetzt ist der Blütenstand bereits länger als vor 2 Jahren: Das Maximum während der Blüte 2009 war eine Länge von 1,31 Meter. 
06.05.2011  
06.05.2011 - Der Blütenstandsstiel wird noch deutlicher sichtbar 06.05.2011
   
07. Mai 2011 - 1,50 Meter:
Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze bereits 1,50 Meter. Der Umfang beträgt 98 cm.
07.05.2011 07.05.2011 - der Kolben macht seinem wissenschaftlichen Namen alle Ehre und sieht langsam "unförmig" aus
07.05.2011 07.05.2011
 
08. Mai 2011 - 1,63 Meter:
Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze bereits 1,63 Meter. Der Umfang beträgt 1,03 Meter. Sollte der Blütenstand weiter in der Länge wachsen, muss die Messlatte zur Markierung der Größe verlängert werden. 
08.05.2011 - zwei der drei dunkelgrünen Hochblätter sind jetzt verwelkt 08.05.2011
08.05.2011 - der Blütenstandsstiel wird immer besser sichtbar 08.05.2011 - Die Ansatzstelle des Hochblattes
08.05.2011 - das größte dunkelgrüne Hochblatt ist verwelkt und gibt den Blick auf den Längssaum des hellgrünen Hochblattes frei. Der Saum ist leicht rot gefärbt.
   
09. Mai 2011 - 1,71 Meter:
Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze bereits 1,71 Meter. Der Umfang beträgt 1,06 Meter.
09.05.2011 09.05.2011
   
10. Mai 2011 - 1,79 Meter:
Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze bereits 1,79 Meter. Der Umfang beträgt 1,09 Meter.
10.05.2011 10.05.2011 - die Kolbenspitze erscheint lackiert
10.05.2011 - Die Innenseite des hellgrünen Hochblattes färbt sich langsam rot. 10.05.2011 - Auch das dritte ehemals dunkelgrüne Hüllblatt ist jetzt vertrocknet.
   
11. Mai 2011 - 1,86 Meter:
Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze bereits 1,86 Meter. Der Umfang beträgt 1,13 Meter.
   
11.05.2011 11.05.2011 - Der Längssaum ist deutlicher rot gefärbt.
11.05.2011 - Die Innenseite des hellgrünen Hochblattes färbt sich deutlicher rot. 11.05.2011 - Der Blütenstandsstiel ist sehr gut sichtbar und deutlich ausgebildet.
   
12. Mai 2011 - 1,91 Meter:
Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze bereits 1,91 Meter. Der Umfang beträgt 1,17 Meter.
12.05.2011 12.05.2011
12.05.2011 12.05.2011 - Die Meßlatte ist bald zu Ende.
 
12.05.2011 - Auch das dritte ehemals dunkelgrüne Hochblatt liegt jetzt verwelkt herab.  
   
13. Mai 2011 - 1,96 Meter:
Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze bereits 1,96 Meter. An die Meßlatte musste jetzt bereits etwas angebaut werden, um die Länge darzustellen. Der Umfang beträgt 1,20 Meter.
13.05.2011 13.05.2011 - Langsam wird zwischen den Falten des Hochblattes ein rötlicher Schimmer erkennbar.
13.05.2011 - Die Meßlatte wurde heute verlängert. 13.05.2011
13.05.2011 13.05.2011 - Auf dem noch geschlossenen Blütenstand hat sich eine Fliege niedergelassen ...
   
14. Mai 2011 - 1,99 Meter - der erste Blühtag:
Am Morgen misst der Blütenstand von der Erde bis zur Spitze bereits 1,99 Meter. Der Umfang beträgt 1,26 Meter. Gegen Mittag beginnt sich das Hochblatt zu öffnen. Der erste Tag des nur dreitägigen Blütenspektakels ist heute. Es beginnt kräftig zu stinken, bereits am Nachmittag ist selbst in den angrenzenden Gewächshäusern die Titanenwurz zu riechen. Am Abend ist der Gestank am Intensivsten.
14.05.2011 - 12.07 Uhr, Bild der Webcam 14.05.2011 - 13.18 Uhr, Bild der Webcam
14.05.2011 - 13.41 Uhr, Bild der Webcam 14.05.2011 - 14.23 Uhr, Bild der Webcam
14.05.2011 - 15 Uhr, Bild der Webcam 14.05.2011 - schon gegen 17 Uhr war das Hochblatt voll entfaltet
14.05.2011 14.05.2011
14.05.2011 14.05.2011
Aktuelle wissenschaftliche Dokumentation des Blütenereignis: Am ersten Tag der Blüte (14.05.2011) und der Nacht erfolgten Experimente und Messungen in der Nähe der Titanenwurz. Diese waren vor Ort und teilweise auch über die Webcam zu sehen. Es wurde die Wärmeentwicklung der Pflanze während der Blütezeit (thermographische Aufnahmen) und die Duftentwicklung untersucht (Gasstoffwechselmessungen, Duftaufnahme).
14.05.2011  
   
15. Mai 2011 - der zweite Blühtag
15.05.2011 - das Hochblatt ist weiterhin geöffnet. 15.05.2011
15.05.2011 15.05.2011
15.05.2011 15.05.2011 - Blick in den Trichter
15.05.2011 15.05.2011 - Blick in den Trichter: An der Basis sind von oben Blüten erkennbar.
15.05.2011 - An verschiedenen Stellen des Blütenstandes wird die Temperatur gemessen, hier an der Kolbenspitze 15.05.2011 - Temperaturmessung über Sonde im mittleren Kolbenbereich
15.05.2011 - Temperaturmessung über Sonde im unteren Blütenstandsstiel 15.05.2011 - um eine Temperaturmessung im Blütenbereich machen zu können, wurde ein Fenster in das große Hüllblatt geschnitten.
15.05.2011 - Blick auf die Blüten. Ganz oben der Kolbenrand, darunter die männlichen Blüten (noch geschlossen, ca. 15.15 Uhr), darunter die weiblichen Blüten. An der Schnittfläche des Hüllblattes ist erkennbar, wie dick das Blatt ist. 15.05.2011 - Blick an dem Blütenbereich vorbei an die Innenseite des Hüllblattes. Es ist deutlich zu sehen und zu riechen, dass die Innenseite bereits verschimmelt, noch bevor die männliche Blütenphase beginnt.
15.05.2011 - die männlichen Blüten, ca. 15.15 Uhr, noch geschlossen 15.05.2011 - die weiblichen Blüten
15.05.2011 - die männlichen Blüten, ca. 20.30 Uhr, sind geöffnet. Pollen wird aus den Blüten entlassen. Er ist fädig zusammengefasst und erinnert an herabfallende Spaghetti oder an Spätzle, die aus einer Spätzlepresse gepresst werden. 15.05.2011 -  einem Vorhang gleich hängt der Pollen herab.
   
15.05.2011 - Zwar hängt der Pollen zusammen, aber er ist nicht deutlich klebrig, sondern beim Anfassen trocken und pulverig. 15.05.2011 - Der Pollen fällt auch auf die weibliche Blüten. Diese sind aber bereits in der Nacht davor verblüht, es findet keine Selbstbestäubung statt.
 
16. Mai 2011 
Das Hochblatt schließt sich wieder. Es wird erwartet, dass der Kolben im Laufe des Tages oder Abends zusammenfällt. Aber: Er zeigt Standfestigkeit und ist selbst am späten Abend noch aufrecht.
16.05.2011- Das Hochblatt schließt sich immer mehr und bewegt sich den Kolben entgegen. 16.05.2011
16.05.2011 - Das Hochblatt welkt immer weiter. 16.05.2011
   
17. Mai 2011 
Der Kolben zeigt weiterhin Standfestigkeit und ist selbst am späten Abend noch aufrecht. Das Hüllblatt welkt weiter.
17.05.2011 - 9.23 Uhr, Bild der Webcam 17.05.2011 - 17.41 Uhr, Bild der Webcam
   
18. Mai 2011 
 
 
18.05.2011 - 9.31 Uhr, Bild der Webcam  
   

Die Titanenwurz wird zunächst weiterhin im Großen Tropenhaus zu sehen sein. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Wie spektakulär die Blüte ist, können Sie auf den Zeitraffer-Aufnahmen der Blütenstandentwicklung des Blühereignis 2009 verfolgen. Aber die Wirklichkeit ist noch viel brillanter:

  • Der 1. Tag (30.04.2009, ca. 8 bis 20 Uhr) hier >>>

  • Der 2. Tag (01.05.2009, ca. 5 bis 21 Uhr) hier >>>

  • Der 3. Tag (02.05.2009, ca. 5 bis 20 Uhr) hier >>>

  • Alle drei Tage (als Flash-Video) hier >>>

Amorphophallus titanum ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Aronstabgewächse. Sie bildet eine unterirdische Knolle aus, die über 100 kg Gewicht erreichen kann. Erst nach mehreren Jahren kann aus der Knolle ein Blütenstand mit einer Größe von bis zu drei Metern hervorgehen. Nach dem Guinness Buch der Rekorde ist es die größte Blume der Welt (Rekord bei 2,94 Meter, Wilhelma Stuttgart 2005). Die Pflanze wurde in Sumatra (Indonesien) vom italienischen Botaniker Odoardo Beccari 1878 entdeckt. Sie ist in der Natur stark gefährdet.

Was wird während der Blütezeit zu sehen und zu riechen sein?
Das eigentliche Blütenspektakel dauert nur drei Tage: Die Pflanze ist ein Nachtblüher und im Laufe eines Nachmittags wird sich ein großes Hochblatt (Spatha) öffnen, welches den großen Kolben (Spadix), einem hochfliegenden Rock gleichend, umgibt. Die Titanenwurz gibt besonders am ersten Blühtag bzw. der ersten Blühnacht einen intensiven Aasgeruch ab. Im Laufe des zweiten Blühtages wird sich das Hochblatt wieder ganz langsam schließen. Geruch wird nicht mehr abgesondert. Im Laufe des dritten Tages ist das botanische Schauspiel vorüber: Der Blütenstand beginnt zu welken und der Kolben knickt um.

Genaue Voraussage der Blütenöffnung
Die genaue Vorhersage, wann sich der Blütenstand entfaltet und die Blüten öffnen, ist sehr schwierig und meist erst am Morgen oder Mittag des Blühtages möglich. Da die Titanenwurz in dieser Phase sehr empfindlich ist, bleibt es bis zur letzten Minute ungewiss, ob sich der Blütenstand wirklich öffnet. Es wird also für Botaniker, Gärtner und Besucher sehr spannend. Beim Berliner Titanenwurz wird bislang vermutet, dass eine Blütenstandsöffnung um das Wochenende 7./8. Mai 2011 erfolgen kann.

Übler Geruch nach Aas
Mittels Aasgeruch werden in der Natur Fliegen durch ein Täuschungsmanöver in den Blütenstand gelockt, die für ihre Eiablage einen verwesenden Tierkadaver suchen. Im Blütenstand des Titanenwurz finden die Fliegen keinen geeigneten Brutplatz – aber sie bestäuben bei ihrem Besuch die Blüten. Während der ersten Nacht öffnen sich die weiblichen Blüten, erst in der zweiten Nacht öffnen sich die männlichen Blüten und geben Pollen ab. Damit der Geruchslockstoff besonders gut verströmt, erhöht die Pflanze die Temperatur im Kolben gegenüber der Umgebung und der Blütenstand gleicht einer Geruchsfackel. Während der ersten Nacht ist der Geruch am intensivsten.
 

Wissenschaftliche Dokumentation des Blütenereignis 2009: Insbesondere am ersten Tag der Blüte (30.04.2009) und der Nacht erfolgten Experimente und Messungen in der Nähe der Titanenwurz. Es wurden die Wärmeentwicklung der Pflanze während der Blütezeit (thermographische Aufnahmen) und die Duftentwicklung untersucht (Gasstoffwechselmessungen, Duftaufnahme). Einen kleinen Zwischenstand der Ergebnisse finden Sie hier>>>.


Schwierige Kultur
Die Pflanze, die jetzt einen Blütenstand hervorbringt, stammt aus einer Nachzucht des Palmengartens Frankfurt von 2003 und geht auf eine am 11.5.1992 in Indonesien, Sumatra, in der Nähe von Padang gesammelte Wildherkunft zurück. Bereits im Jahr 2009 überraschte die Pflanze mit einem Blütenstand und wurde von zahlreichen Besuchern bestaunt. Die Pflanze wurde im November 2010 umgetopft und dabei gewogen. Gegenüber der letzten Messung hat die Knolle ihr Gewicht mehr als Verdoppelt:
09.07.2007: 4,7 kg
05.11.2008: 11,95 kg
24.11.2010: 30,7 kg
Die Kultur der Titanenwurz ist sehr schwierig und somit ein Blütenstand ausgesprochen bemerkenswert.

Was wird nach der Blütezeit zu sehen sein?
Sofern der Blütenstand unter Kulturbedingungen nicht bestäubt wurde, so lebt die Pflanze weiter. Die Pflanze entwickelt - nach einer unterschiedlich langen Ruhephase - nur ein einziges großes Laubblatt, welches jedoch mehrere Meter Höhe erreichen kann und einem kleinen Baum ähnelt. Nach bis zu 24 Monaten wird das Blatt eingezogen und die Knolle macht eine Ruhepause, bevor sie erneut ein Laubblatt oder nach mehreren Jahren auch einen neuen Blütenstand austreibt.

Werden jedoch nach künstlicher Bestäubung orangerote Beerenfrüchte ausgebildet (Reife erst nach ca. 8 Monaten), so sterben die Pflanzen danach häufig ab. Für die Samenausbildung verbraucht die Pflanze Reservestoffe, die in der unterirdischen Knolle eingelagert wurden und wird stark geschwächt. 

Für eine Bestäubung der weiblichen Blüten wird frischer Pollen einer zweiten, blühenden Titanenwurz benötigt. Das aktuell blühende Exemplar im Botanischen Garten Berlin wird nicht künstlich bestäubt. Sofern die Pflanze bei der Blütenbildung nicht stark geschwächt wurde, wird sie weiterleben.

Das Laubblatt
Ein weiteres Exemplar der Art Amorphophallus titanum (anderer Herkunft) zeigte am 13.06.2006 im Botanischen Garten Berlin folgendes Laubblatt:

Nur ein einziges Laubblatt wird entwickelt (Pflanze in der Mitte des Bildes). Der Blattstiel ist mit weißen Flecken besetzt - diese täuschen Flechtenbewuchs vor.
Die Blattspreite ist mehrfach geteilt, so dass das Blatt wie eine kleine Baumkrone erscheinen kann.

Die Knolle:
Die jetzt einen Blütenstand hervorbringende Pflanze wurde im November 2010 umgetopft und dabei gewogen. Gegenüber der letzten Messung hat die Knolle ihr Gewicht mehr als Verdoppelt:
09.07.2007: 4,7 kg
05.11.2008: 11,95 kg
24.11.2010: 30,7 kg

Die Knolle 2008 auf der Waage.  
Zum Größenvergleich eine 1- Pfennig-Münze links auf der Knolle. Vor dem erneuten Eintopfen 2008.
Die Knolle beim Umtopfen 2010. Vor dem erneuten Eintopfen 2010.

 

So war es im Jahre 2009! Zum Vergleich das Wachstum des Blütenstandes 2009:

Bis zum 17. April 2009: Die Blütenstandsknospe ähnelte sehr einer Blattknospe und wurde nicht als Blütenknospe erkannt.

17. April 2009 - 75 cm: Die äußeren Hüllblätter fingen gerade an sich an der Spitze zu öffnen.

21. April 2009 - 97 cm 22. April 2009
 
23. April 2009 - 1,06 Meter groß 24. April 2009 - 1,12 Meter groß
24. April 2009 - 1,12 Meter groß 25. April 2009
25. April 2009  
25. April 2009 - 1,15 Meter groß 26. April 2009 - 1,19 Meter groß, breiteste Stelle 67 cm Umfang
27. April 2009 - 1,22 Meter groß, breiteste Stelle 70 cm Umfang 28. April 2009 - 1,28 Meter groß, breiteste Stelle 75 cm Umfang
28. April 2009 - die kurze Sprossachse unterhalb des Blütenstandes wird sichtbar 29. April 2009 - 1,27 Meter groß, breiteste Stelle 83 cm Umfang, das Hochblatt liegt noch am Kolben an
30. April 2009 - 1,31 Meter groß, innerhalb weniger Stunden löst sich das Hochblatt vom Kolben und entfaltet sich, ein Aasgeruch entweicht
30. April 2009 - 16.15 Uhr, Bild der Webcam 01. Mai 2009 - am Abend, das Hochblatt hat sich langsam geschlossen
01. Mai 2009 - am Abend 01. Mai 2009 - am Abend
01. Mai 2009 - am Abend 01. Mai 2009 - am Abend
02. Mai 2009 - 12.47 Uhr 02. Mai 2009 - 16.09 Uhr, der Kolben schrumpft weiter
 
02. Mai 2009  
02. Mai 2009 - 16.20 Uhr, der Kolben neigt sich weiter 02. Mai 2009 - 16.59 Uhr, kurz vor dem Zusammenbruch
02. Mai 2009 - 17.03 Uhr 02. Mai 2009 - 17.04 Uhr
 
02. Mai 2009 - 17.04 Uhr  
 
02. Mai 2009 - 17.05 Uhr  
02. Mai 2009 - 17.05 Uhr 02. Mai 2009 - 17.05 Uhr
02. Mai 2009 - 17.06 Uhr 02. Mai 2009 - 17.21 Uhr
 
02. Mai 2009 - der hängende Kolben  

Gärtnerische Pflege
Die Titanenwurz wird täglich durch die Gärtner gepflegt und dokumentiert: Mehrmals am Tag wird mit kalkfreiem Weichwasser gewässert, da die Pflanze während der Blütenstandsentwicklung sehr viel Wasser braucht. Die Größe des Blütenstandes wird vermessen, denn anhand des täglichen Zuwachses lässt sich der Entwicklungszustand und der Zeitpunkt der Blütenstandsöffnung vage abschätzen. Täglich einmal wird die Temperatur im Gewächshaus gemessen (zwischen 21° und 26° Celsius). Dreimal täglich wird die Luftfeuchtigkeit dokumentiert (zwischen 50 und 85 %). Aus Erfahrungswerten ist eine stabile Temperatur von 28° Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 80 % günstig für eine Blütenstandsentwicklung der Titanenwurz, sowie die Vermeidung von Zugluft. Täglich wird der Blütenstand fotografisch dokumentiert.

Blume und Blüte
Biologisch betrachtet handelt es sich beim Titanenwurz nicht um die größte Blüte der Welt sondern um die größte Blume der Welt. Die Blüten des Titanenwurz sind selber recht klein, doch sind mehrere hunderte männliche und weibliche Blüten sind in einem großen kolbenförmigen Blütenstand angeordnet. Dieser Blütenstand wird blütenökologisch insgesamt als Blume bezeichnet.

Mehr Informationen zur Titanenwurz:

  • Pressemitteilung vom 03.05.2011

  • Standort der Titanenwurz im Botanischen Garten: während der Blütezeit öffentlich im Großen Tropenhaus, Gewächshaus A)

  • Wissenswertes zur Kultivierung der Titanenwurz
    Lobin, W., Neumann, M., Radscheit, M. & W. Barthlott (2007): The cultivation of Titan Arum (Amorphophallus titanum) – A flagship species for Botanic Gardens. Sibbaldia 5: 69-86.
    Link zu Titanenwurz-Informationen der Botanischen Gärten Bonn hier>>>

Weitere Infoblätter / Other Papers of Information