Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem Botanischer Garten und Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

 

Workshop "Biodiversitätsinformatik"

28.9.2009, Dauer: 1/2 Tag

Biodiversitätsinformatik ist eine relativ junge angewandt-informatische Disziplin, die sich mit der effizienten Generierung, Speicherung, Vernetzung und Visualisierung von Daten zur Vielfalt und Variabilität jedweden organismischen Lebens auf unserem Planeten beschäftigt. Dabei handelt es sich oft um die Verarbeitung von großen Mengen hochkomplexer Daten, die dazu in erheblichem Umfang interdisziplinär vernetzt sind (z. B. mit der meteorologischen und geographischen Domäne).

In ihren Anfängen wurden die Entwicklungen in der Biodioversitätsinformatik sehr stark von Lebenswissenschaftlern getragen, die sich vorwiegend mit der Modellierung ihrer komplexen Informationsdomäne und Datenbankanwendungen beschäftigten, durch die neue Analysemethoden möglich wurden. In den letzten 10 Jahren entwickelte sich die Biodiversitätsinformatik jedoch mit großer Dynamik zu einem interdisziplinären Arbeitsgebiet an der Schnittstelle zwischen Biodiversitätsforschung, Informatik und Ingenieurswissenschaften, mit dessen Hilfe es gelungen ist, eine leistungsfähige weltumspannende Infrastruktur für Biodiversitätsdaten aufzubauen. Beispielhaft seien hier die Global Biodiversity Information Facility (GBIF, www.gbif.org) und die europäischen Initiativen Biological Access Service for Europe (BioCASE, www.biocase.org) und European Distributed Instituted for Taxonomy (EDIT, www.e-taxonomy.eu) genannt:

GBIF ist ein globales Netzwerk von Datenanbietern, die, basierend auf gemeinsamen Datendefinitionen und Zugriffsprotokollen, (vorwiegend) Daten aus naturhistorischen Sammlungen und von Organismenbeobachtungen in der Natur frei für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stellen. BioCASE trägt entscheidend hierzu bei. Auf diese Weise wurden in relativ kurzer Zeit bereits 150 Millionen Datensätze zugänglich gemacht, die über eine wachsende Zahl verschiedenartiger Fachportale zugänglich sind. Es wird erwartet, dass durch Hinzunahme von Monitoringdaten in naher Zukunft mehrere Milliarden Datensätze vernetzt sein werden.

EDIT ist ein EU-gefördertes „Network of Excellence“ bestehend aus 26 führenden europäischen Forschungsinstitutionen. EDIT hat das Ziel, ein virtuelles Exzellenzzentrum zu schaffen, welches die historische Fragmentierung der biologisch-taxonomischen Forschung (also die Erforschung der Vielfalt der Organismen auf der Erde) beseitigt. Eine zentrale Aktivität des EDIT Netzwerkes ist die Implementierung einer „Internet Platform for Cybertaxonomy“ (dev.e-taxonomy.eu/platform), die, basierend auf einem objektorientierten Datenmodell, mit einer Reihe von Software-Werkzeugen den taxonomischen Arbeitsprozess von der Feldarbeit bis zur Publikation (gedruckt oder im Internet) begleitet und beschleunigt.

Der Workshop richtet sich an Informatiker und Informatikerinnen mit Interesse an lebenswissenschaftlichen Fragestellungen

Seite drucken