Sonderausstellung 1998

Adolf Engler

Adolf Engler, 1863,
Photographie (Archiv, BGBM)

Adolf Engler (1844-1930) wird am 25. März 1844 in Sagan in
Niederschlesien, dem heutigen Zagan in Polen, geboren. Er verbringt
seine Kindheit und Jugend in sehr bescheidenen Verhältnissen mit
der Mutter in Breslau. Nach der Promotion zum Dr. phil. (1866) und dem
Staatsexamen für das höhere Lehramt wird er zunächst
Gymnasiallehrer an der von ihm früher besuchten Schule in
Breslau. In diese Zeit fallen seine ersten morphologischen und
systematischen Studien sowie erste Forschungsreisen innerhalb Europas.

1878 wird Engler als ordentlicher Professor und als Direktor des
Botanischen Gartens an die Universität Kiel berufen. Die
Neugestaltung des Botanischen Gartens gibt ihm erstmals die
Gelegenheit, die ihm wichtigen pflanzengeographischen Aspekte zu berücksichtigen.
Die Lehrtätigkeit an der recht kleinen Universität läßt
ihm genügend Zeit für seine botanischen Forschungen und ist
der Beginn seiner zeitlebens großen Veröffentlichungs- und
Herausgebertätigkeit.

1880 gründet Engler die Zeitschrift "Botanische Jahrbücher
für Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie",
1987 erscheint der erste Band der "Natürlichen
Pflanzenfamilien" unter Mitarbeit zahlreicher Botaniker.

In den Jahren von 1884-1889 ist Engler ordentlicher Professor und
Direktor des Botanischen Gartens der Universität Breslau. Er
kommt im Alter von 45 Jahren im Oktober 1889 nach Berlin, um sowohl
ordentlicher Professor für systematische Botanik an der
Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin als auch Direktor des Königlich
Botanischen Gartens und Museums in Schöneberg zu werden.

Loranthus
holtzii
Engler, Typusmaterial, gesammelt von A. Engler im Sept.
1902 bei Sahare in West-Usambara (Tansania). Diese Art wurde 1908
von A. Engler beschrieben und W. Holtz gewidmet. Herbarium, BGBM.

Englers großes organisatorisches Talent zeigt sich vor allem
beim Umzug des Botanischen Gartens von Schöneberg
nach Dahlem in den Jahren von 1897 bis 1910.
Die Einrichtung des neuen Botanischen Gartens, besonders die
pflanzengeographischen Anlagen, die in ihrer Größe und
Spezialisierung eine einmalige Neuerung darstellten, sind ganz sein
Werk.

Schon früh erkennt Engler die große Bedeutung der damals
noch jungen deutschen Kolonien für die Botanik. Nach der Gründung
der "Botanischen Centralstelle für die Colonien" am
Botanischen Garten und Museum im Jahre 1891 widmet er sich der
Bearbeitung der aus diesen Gebieten eintreffenden Sammlungen. Mit
seinen großen Werken ("Beiträger zur Flora von Afrika",
"Pflanzenwelt Afrikas") über die Vegetation Afrikas
begründet Engler die Dahlemer Afrika-Tradition.

Er regt neue botanische Untersuchungen in Afrika an, die wiederum
die landwirtschaftliche Entwicklung in den Kolonien fördern.
Viele dieser Expeditionen werden von ihm als Direktor des Botanischen
Gartens und Museums organisiert. Die Preußische Akademie der
Wissenschaften bewilligt auf seine Initiative hin beträchtliche
Stiftungsmittel für die Forschungen von Lauterbach,
Ledermann, Schlechter und anderen in
Neu-Guinea tätigen Wissenschaftlern.

Lichtung im immergrünen
Regenwald bei Amani (Tansania), Photographie aus Engler:
Pflanzenwelt Afrikas I, Bibliothek, BGBM.

Die Zeit für eigene Reisen nimmt sich Engler jedoch erst in späteren
Jahren. So kommt Engler 1901 auf die Kanarischen Inseln, bevor er 1902
erstmals Süd- und Ostafrika besucht. Er unternimmt zwei weitere
Reisen nach Afrika, eine ins tropische Asien und reist 1913 im Alter
von 69 Jahren über Sibirien und Japan nach Nordamerika. Er will
dabei vor allem die ihm aus seinen Forschungen bekannte Pflanzenwelt
an ihrem natürlichen Standort kennenlernen, bringt aber von allen
seinen Reisen Pflanzenmaterial zur Ergänzung des neuen
Botanischen Gartens und für das Museum mit.

Noch während des Ersten Weltkrieges leitet Engler den
Botanischen Garten durch alle Widrigkeiten und Rückschläge
dieser schweren Zeit. Auch nach seiner Eremitierung als Professor und
Pensionierung als Direktor 1921 behält er seinen Arbeitsplatz am
Botanischen Museum, um seine Studien fortzusetzen. Engler stirbt am
10. Oktober 1930 und wird im Botanischen Garten Berlin-Dahlem neben
dem berühmten Afrikaforscher Schweinfurth
beigesetzt.

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