Sonderausstellung 1998

Carl Ludwig Ledermann

Carl Ledermann,
`Botan. Reisen in Neuguinea und Mikronesien 1912-1914´,
Photographie (Archiv, BGBM)

Außerordentlich wenig ist über das bewegte Leben von C.
L. Ledermann (1875-1958) bekannt. Er wurde am 29. Juli 1875 in Cennier
bei Neuchâtel in der Schweiz geboren, studierte an der Universität
Heidelberg und ging im Alter von 29 Jahren in die Tropen.

Anfangs arbeitete Ledermann an der Versuchsanstalt für
Landeskultur in Viktoria im damaligen Deutsch-Kamerun (heute Limbe,
Kamerun) und nahm an großen Sammelreisen im Gebiet der späteren
Staaten Kamerun und Zaire teil. Um die 6 500 Pflanzen brachte er aus
Kamerun mit nach Berlin und veröffentlichte seine Beobachtungen
1912 unter dem Titel "Eine botanische Wanderung nach
Deutsch-Adamaua".

1912-1913 schloß er sich als Botaniker der sogenannten
Kaiserin-Augusta-Fluß-Expedition im damaligen Deutsch-Neuguinea
an. Weitere 6 660 Pflanzen gelangten so nach Berlin an das Königliche
Botanische Museum. Finanziert von der Kommission für die
Erforschung der deutschen Schutzgebiete reiste Ledermann anschließend
allein zu den Karolinen und sammelte zwischen Oktober 1913 und März
1914 auf den Inseln Ponape, Truk, Rota und Palau.

Bereits im Jahre 1899 hatte das deutsche Reich seine Schutzgebiete
im Pazifischen Ozean erweitert und die Karolinen sowie große
Teile der benachbarten Marianen gegen die Kaufsumme von 16 Millionen
Mark erworben. Die gründliche botanische Erforschung von Ponape,
der mit 347 qkm größten Insel der Karolinen, begann aber
erst im Oktober 1913 mit dem fast zweimonatigen Aufenthalt von
Ledermann.

Noch vor Ausbruch des ersten Weltkriegs kehrte Ledermann nach Europa
zurück und nahm als Freiwilliger an den Kämpfen in den
Karpaten und am Balkan teil.

Im Laufe seiner reichen Sammeltätigkeit schickte Ledermann
einige zehntausend Exemplare getrockneter Pflanzen an das Königliche
Botanische Museum Berlin-Dahlem, die in den folgenden Jahrzehnten von
den dort tätigen Wissenschaftlern bearbeitet wurden;
Doppelexemplare seiner Sammlungen von den Karolinen gingen im Rahmen
des Herbaraustausches an andere Institutionen, so an die Royal Botanic
Gardens in Kew bei London, das United States National Herbarium in
Washington und das Bishop Museum in Honolulu.

Ledermanns rund 1400 Aufsammlungen von den Karolinen bildeten eine
wesentliche Grundlage für die von Carl Lauterbach begründeten
und herausgegebenen "Beiträge zur Flora Papuasiens",
die in zahlreichen Fortsetzungen in der Zeitschrift "Botanische
Jahrbücher für Systematik, Pflanzengeschichte und
Pflanzengeographie" in den Jahren 1912 bis 1937 erschienen.

Cyathea
ledermannii
Brause, Typusbeleg, gesammelt von C. Ledermann im
Jahre 1912 in Neuguinea (Herbarium, BGBM)

Zahlreiche für die Wissenschaft neue
Pflanzengattungen und -arten
wurden in dieser Serie auf der
Grundlage von Belegen Ledermanns erstmals beschrieben und zum Teil
auch abgebildet.

Als in der Nacht vom 1. zum 2. März 1943 das Botanische Museum
Berlin-Dahlem Opfer eines Bombenangriffs wurde, verbrannten auch
wesentliche Teile von Ledermanns Pflanzen aus der Inselwelt des
Pazifischen Ozeans; glücklicherweise blieb jedoch ein
unverteilter, allerdings unvollständiger Dublettensatz erhalten,
ebenso wie die Feldbücher Ledermanns mit seinen Standortnotitzen
und ein über dreihundert Seiten umfassendes, unveröffentlichtes
Manuskript mit dem Titel "Die Vegetation der Insel Ponape
(Ost-Karolinen)".

Zusammen mit den verstreut aufbewahrten Herbarexemplaren sind diese
Dokumente die einzigen verbleibenden Zeugnisse der ersten gründlichen
botanischen Erforschung der Karolinen und eines Mannes, dessen
Leistungen nur in bescheidenem Umfang Anerkennung fanden.

Eine Auswahl dieser Zeugnisse ist bis Dezember 1998 in einer
Ledermann gewidmeten Vitrine der Sonderausstellung "Die grüne
Schatzkammer der FU" öffentlich zu sehen, bevor sie wieder
im Magazinen von Bibliothek bzw. Herbarium geschützt aufbewahrt
werden.

Ledermann lebte in den dreißiger Jahren in Berlin "in
den bedrängtesten Verhältnissen"
. Das ist aus einem
Schreiben an die deutsche Forschungsgemeinschaft ersichtlich: "Er
ist stellungslos und hat bei einem Alter von etwa 60 Jahren auch keine
Aussicht eine Stellung zu finden"
(Prof. Dr. J. Mildbraed an
DFG, 13.XI. 1936). Wenig später übersiedelte Ledermann nach
Untereisenheim bei Würzburg. Fast vergessen starb C. L. Ledermann
dreiundachtzigjährig im Jahre 1958 in Volkach am Main.

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