Kleiner Riese: Titanenwurz blüht im Mai 2021

Hinter den leider geschlossenen Türen der Gewächshäuser hat die Titanenwurz (Amorphophallus titanum) Anfang Mai eine Blütenstandsknospe ausgebildet. Die als größte Blume der Welt bekannte Titanenwurz ist eine der spektakulärsten Erscheinungen in der Pflanzenwelt. Das eigentliche Blühereignis dauert nur drei Tage.

Die genaue Vorhersage, wann sich der Blütenstand entfaltet und die Blüten öffnen, ist sehr schwierig und meist erst am Morgen oder Mittag des Blühtages möglich. Vom 16. auf den 17. Mai war es dann soweit: Das Hochblatt öffnete sich.

Die Knospe war Anfang Mai rund 50 Zentimeter hoch und ist bis zur Blüte auf rund einen Meter herangewachsen. Damit ist die diesjährige Blume eher ein „Titänchen“ unter den mit bis zu drei Metern Höhe "größten Blumen der Welt".

27. April 2021:
Knospe der Amorphophallus Titanum ist sichtbar Amorphophallus Titanum ist sichtbar
Jetzt ist es sicher: Ein Exemplar der Titanenwurz (Amorphophallus titanum) hat eine Blütenstandsknospe ausgebildet. Wir dürfen uns auf die erste Blüte seit 2018 freuen!
   
4. Mai 2021:
Knospe der Titanenwurz Amorphophallus Titanum Knospe der Titanenwurz Amorphophallus Titanum
Was für ein Sprung in nur einer Woche: Der Kolben überragt das größte Hüllblatt (dunkelgrün) und das hellgrüne Hochblatt ist jetzt bereits gut zu sehen.
 
7. Mai 2021:
Knospe der Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 7.Mai 2021 Knospe der Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 7. Mai 2021
Das saftig grüne Hochblatt ist heute an der Innenseite schon leicht rot gefärbt.
 
10. Mai 2021:
Knospe der Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 10.Mai 2021 Knospe der Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 10. Mai 2021
Übers Wochenende ist unsere Titanenwurz wieder ein Stück gewachsen. Die dunklen Hüllblätter verwelken jetzt zusehens und der Blütenstiel ist deutlich sichtbar.
 
12. Mai 2021:
Knospe der Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 12. Mai 2021 Knospe der Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 12. Mai 2021
Unser "kleiner Riese" ist wieder ein ganz schönes Stück gewachsen und misst heute über 90 Zentimeter. Die Hüllblätter sind nun verwelkt und das Innere des Hochblatts färbt sich deutlich dunkelrot. Lange kann es nicht mehr dauern!
 
17. Mai 2021:
Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 17. Mai 2021 Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 17. Mai 2021
Heute Nacht öffnet sich zum ersten Mal das Hochblatt und gibt noch am Morgen den Blick ins Innere frei.
Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 17. Mai 2021 Titanenwurz Amorphophallus Titanum am 17. Mai 2021
Die Titanenwurz ist über das Wochenende nocheinmal kräftig gewachsen und ist heute Morgen 101 cm hoch.
 

Was ist während der Blütezeit zu sehen und zu riechen sein?
Das eigentliche Blühspektakel dauert nur drei Tage: Die Pflanze ist ein Nachtblüher und im Laufe eines Nachmittags wird sich ein großes Hochblatt (Spatha) öffnen, welches den großen Kolben (Spadix), einem hochfliegenden Rock gleichend, umgibt. Die Titanenwurz gibt besonders am ersten Blühtag bzw. der ersten Blühnacht einen intensiven Aasgeruch ab. Im Laufe des zweiten Blühtages wird sich das Hochblatt ganz langsam schließen. Im Laufe des dritten Tages ist das botanische Schauspiel vorüber: Der Blütenstand beginnt zu welken und allmählich in sich zusammenzufallen.

Übler Geruch nach Aas
Mittels Aasgeruch lockt die Titanenwurz in der Natur Insekten (vermutlich Aaskäfer und Fliegen) durch ein Täuschungsmanöver in den Blütenstand, die für ihre Eiablage einen verwesenden Tierkadaver suchen. Im Blütenstand der Titanenwurz finden die Insekten keinen geeigneten Brutplatz – aber sie bestäuben bei ihrem Besuch die weiblichen Blüten, die nur in der ersten Nacht Pollen aufnehmen können. Erst in der zweiten Nacht öffnen sich die männlichen Blüten und geben ihren Pollen ab – eine perfekte Strategie, um Selbstbestäubung zu verhindern. Damit der Geruchslockstoff besonders gut verströmt, erhöht die Pflanze die Temperatur im Kolben gegenüber der Umgebung und der Blütenstand gleicht einer Geruchsfackel. Während der ersten Nacht ist der Geruch besonders intensiv, danach deutlich geringer.

Riesenblume aus Indonesien
Die Titanenwurz, Amorphophallus titanum, ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Aronstabgewächse. Sie bildet eine unterirdische Knolle aus, die über 100 kg Gewicht erreichen kann. Erst nach mehreren Jahren kann aus der Knolle ein Blütenstand mit einer Größe von bis zu drei Metern hervorgehen. Nach dem Guinness Buch der Rekorde ist es die größte Blume der Welt (Rekord bei 3,10 Meter, Winnipesaukee Orchids in Gilford, New Hampshire, USA, 2010). Die Pflanze wurde in Sumatra (Indonesien) vom italienischen Botaniker Odoardo Beccari 1878 entdeckt. Sie ist in der Natur stark gefährdet, da ihr Lebensraum, der Regenwald, zerstört wird.

Schwierige Kultur
Die Pflanze, die jetzt in Berlin einen Blütenstand hervorbringt, stammt aus einer Nachzucht des Palmengartens Frankfurt von 2003 und geht auf eine am 11.5.1992 in Indonesien, Sumatra, in der Nähe von Padang gesammelte Wildherkunft zurück. Die Kultur der Titanenwurz ist schwierig, zuletzt bildeten 2017 und 2018 Exemplare erfolgreich einen Blütenstand aus und wurde von zahlreichen Gästen im Botanischen Garten Berlin bestaunt.

Was passiert nach der Blütezeit?
Die Pflanze entwickelt nur ein einziges großes Laubblatt, welches jedoch mehrere Meter Höhe erreichen kann und einem kleinen Baum ähnelt. Nach bis zu 24 Monaten wird das Blatt eingezogen und die Knolle macht eine Ruhepause, bevor sie erneut ein Laubblatt oder nach mehreren Jahren auch einen neuen Blütenstand austreibt. Sofern der Blütenstand unter Kulturbedingungen nicht bestäubt wurde, lebt die Pflanze meist weiter. Werden jedoch nach künstlicher Bestäubung orangerote Beerenfrüchte ausgebildet (Reife erst nach ca. 8 Monaten), sterben die Pflanzen danach häufig ab.

Große Blume und kleine Blüte
Biologisch betrachtet handelt es sich bei der Titanenwurz um „die größte Blume der Welt“ und nicht um „die größte Blüte der Welt“. Die Blüten der Titanenwurz sind selber recht klein, doch sind mehrere hundert männliche und weibliche Blüten in einem großen kolbenförmigen Blütenstand vereint. Dieser Blütenstand wird insgesamt als „Blume“ bezeichnet, da er bestäubungsbiologisch eine Einheit bildet und wie eine einzige, riesige Blüte funktioniert.